Das Loch in der Wand

Die Sonne brennt unerbittlich und heizt die Luft an manchen Tagen auf über 45°C auf, in einem Slum irgendwo in Indien. Dort lebt fast ein Drittel der Einwohner der Millionenstädte in solchen Elendsvierteln. Zwar gibt es in Indien eine allgemeine Schulpflicht, und gerade höheren Bildungseinrichtungen haben in der Politik einen hohen Stellenwert, viele Schüler erhalten aber nur eine kümmerliche Grundbildung. In den Slums oft nicht einmal das. Computer, das Internet und alles was dazugehört – für viele schlicht nicht greifbar: „Everywhere on Earth, there are places where, for various reasons, good teachers do not want to, or cannot, go…“ Was also tun? Man stelle sich nun vor, man platzierte einfach mitten an einem solchen Ort einen Computer mit Internetzugang; geschützt vor Wind, Wetter und Vandalismus. Was würde passieren?

Diese Frage stellte sich 1999 Sugata Mitra und startete exakt ein solches Experiment in Neu Delhi und filmte das Geschehen mit einer versteckten Kamera. Das Ergebnis war verblüffend: Spielerisch und ohne Anleitung lernten die Kinder des Slums, wie man den Computer zum malen, schreiben, usw. benutzt und wie man online geht – alles, ohne Englisch zu beherrschen, doch das lernten sie extra für diesen Zweck. Und ihre Erkenntnisse brachten sie wiederum anderen Kindern bei. Es folgten weitere, unterschiedliche Experimente an anderen Orten, immer mit demselben Ergebnis: Auch ohne direkte Anleitung durch einen Lehrer, kann eine Neugier stimulierende Umgebung dafür sorgen, dass durch Selbstunterricht und Austausch mit Gleichrangigen gelernt wird.

Das Projekt heißt „Hole in the Wall“ und inspirierte übrigens Vikas Swarup zu seinem Buch „Rupien! Rupien!“, besser bekannt unter dem Titel der Verfilmung: „Slumdog Millionaire“ Nähere Informationen gibt es unter http://www.hole-in-the-wall.com.