Das Internet in Nischen tragen

und gleichzeitig Nischenthemen mit Hilfe des Internets aus ihrem Schattendasein heraus holen, das ist das Anliegen der Initiative nischenThema.de.

Mit dieser Idee im Hinterkopf bin ich im April zu Frau Knobloch nach Dresden gefahren. Der Kontakt zu Frau Erika Knobloch aus Dresden ist bereits im vergangenen Jahr über die Veröffentlichung einiger Artikel aus dem Tagebuch “52 Dienstage” entstanden, dessen Herausgeber der Verein Lebendiger leben! e.V. ist. Wir haben damals, mit Unterstützung der Blogpaten, einige Artikel aus diesem Tagebuch in verschiedenen Blogs im Internet publiziert. Frau Erika Knobloch hat uns auch nach diesem ersten Beitrag weitere Artikel per Post zugeschickt – sie verfügt über keinen eigenen Internetanschluss – die wir in ihrem Namen und mit ihrem Einverständnis auf der offenen Plattform online stellen.

Sobald es Kommentare gibt, teilen wir dies Frau Knobloch telefonisch mit. Sie selbst besucht gelegentlich ein Internet-Café, um auf die Kommentare im Blog zu antworten. Ebenso wird sie von Ihrer Tochter darin unterstützt, mit uns in regelmäßigem E-Mail-Kontakt zu bleiben. Frau Knobloch hat ein konkretes Anliegen und bereits am 22. März 2010 einen offenen Brief an die Geschäftsleitung des Sozialverbandes Dresden geschrieben, in dem sie erneut um eine Parkerleichterung bittet, die ihr zu deutlich mehr Lebensqualität verhelfen würde. Ihre Anträge werden seit 1999 (!?) immer wieder abgelehnt. In folgendem kurzen Video, dass ich mit ihr aufgenommen habe, beschreibt sie ihre Situation:

Bei meinem Besuch in Dresden konnte ich Frau Knobloch die Möglichkeiten der Vernetzung im Internet zeigen und ihre Fragen dazu beantworten. Via Twitter kamen spontan erste Grüße und Kommentare.

Erfreulich: Unmittelbar nach der Veröffentlichung und Verbreitung ihres offenen Briefes im Internet, stellten sich erste Erfolge in Sachen Parkerleichterung ein. Frau Knobloch hat mir anschließend telefonisch mitgeteilt, dass sie nun zumindest die orangene Parkkarte bekommt. Allerdings berechtigt dieser Ausweis NICHT zum Parken auf einem Behindertenparkplatz, was für sie aber enorm wichtig wäre.

Was hat das mit Bildung zu tun, werden sich vielleicht einige fragen, denn solche Treffen finden weder an einer Uni noch in einem Workshop oder auf einem Barcamp statt.

Ich finde es einfach enorm wichtig, hier mit praxisnahen niedrigschwelligen Bildungsangeboten eine Lücke zu schließen und auch jene zu erreichen, für die der Besuch eines Workshops wenig geeignet ist und auch nicht zum Erfolg führen würde.

Enorm wichtig ist es, einem Personenkreis, der wenig weberfahren ist, vor jeder Aktion immer erst die Möglichkeiten des Publizierens im Internet zu zeigen. Was heißt es unter dem eigenen Namen zu veröffentlichen. Worauf muss ich achten? Welche Rolle spielen Suchmaschinen. Welche Möglichkeiten habe ich, wenn ich anonymisiert ins Web schreiben möchte? Wo befindet sich ein Video im Internet? Was bedeutet es, dass jeder dieses Video in seinem Blog einbinden und verbreiten kann. Wie spreche ich Personen an, die auf meinen Beitrag kommentieren? (Hier irritiert manchmal die persönliche Du-Form.) Was ist Twitter? Was ist Facebook?

Gibt es bereits ein Thema – wie hier ein konkretes Anliegen und das Bedürfnis gegenüber Behörden Druck zu machen – wird Web2.0 eher spielerisch und nebenbei erfahren. Es hat sich gezeigt: auf viele technische Begriffe kann man dann beim Erklären verzichten.