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  • dunkelmunkel 23:15 am 23. October 2012 Permalink | Antwort  

    Erster Teil der Educamp-Trilogie 

    Ilmenau, Educamp Nr. 10, Jubiläum, und die Bildungsreporter mittendrin. Hier der erste Teil der Educamp-Trilogie mit der Frage: Was macht ihr hier eigentlich?

     
  • dunkelmunkel 13:17 am 16. June 2012 Permalink | Antwort  

    Achim Lebert über digitale Medien und selbstständiges Lernen 

    Digitale Medien in der Schule – gibts sowas? :-) Natürlich, und an manchen Schulen auch schon sehr lange! Seit 10 Jahren werden Klassen mit Laptops am Gymnasium Ottobrunn ausgestattet. Virtuelle und reale Lernräume: Über die Gestaltung der Lernumgebungen für die Zukunft sprachen wir mit dem Schulleiter Achim Lebert.

    Mehr dazu bei Dossenheim zur Kreidezeit am (Achtung! Termin wurde verschoben!) Donnerstag, 19.7., um 20 Uhr! Bis dahin könnt ihr uns Feedback zu den bisherigen Sendungen geben. Her damit! :-)

     
  • dunkelmunkel 18:57 am 10. June 2012 Permalink | Antwort  

    Über die Öffnung von Hochschule und Wissensmanagement im Web 

    Johannes Moskaliuk ist Psychologe an der Universität Tübingen. Im Jahr 2011 hat er im Web mit seinem Open Course Workplace Learning – #ocwl11 – für entsprechendes Aufsehen gesorgt. Wir sprachen mit ihm über Öffnung von Hochschulen, Strategien im Wissensmanagement und was das alles mit dem Web zu tun hat. Herr Dr. Moskaliuk: Bitte schön!

    Und wie immer nicht vergessen: Die nächste Sendung Dossenheim zur #kreidezeit naht – Feedback erwünscht!

     
  • dunkelmunkel 20:32 am 22. May 2012 Permalink | Antwort
    Tags: openscience   

    Roman & Thies von netzforschen.de 

    Selten so ein leckeres Interview gehabt: Direkt aus Lutzens Lieblingseisdiele in Heidelberg senden die Bildungsreporter ihr Interview mit den beiden Machern von netzforschen.de: Roman Szymanski und Thies Schneider. Bei netzforschen.de handelt es sich um ein Open-Science-Projekt-Start-Up, und der Begriff “netzforschen” ist doppeldeutig: Zum einen sollen Forschungsfragen zu social media (also, zum Netz) bearbeitet werden, zum anderen soll das Ganze auch im Netz und unter Nutzung des Netzes stattfinden. Die Idee wurde im Rahmen eines Seminars an der TU Darmstadt geboren, frei nach dem Motto: Vielleicht sind Netzforscher auch im Netz forscher. Wer weiß. (Wir wollten einfach nur mal ein Wortspiel ergänzen.) In diesem Sinne: eine Kugel Erbeer, eine Schoko, eine Malaga!

    Bei dieser Gelegenheit: Nicht vergessen: Do, 24.5., 20 Uhr, Dossenheim zur Kreidezeit. Einschalten und mitmachen!

     
  • dunkelmunkel 17:50 am 19. May 2012 Permalink | Antwort
    Tags:   

    Eine Reformschule in Moabit? 

    “Der beste Pragma-Visionär, den ich kenne” – mit diesem Satz hat Christian Füller uns auf Jens Großpietsch aufmerksam gemacht. Jens Großpietsch leitet die Heinrich-von-Stephan-Schule, eine reformpädagogische Gemeinschaftsschule in Berlin-Moabit. Gibt’s sowas? Sowas gibts! Er erläutert uns das Schulkonzept, sein Menschenbild und seine Meinung über Schulnoten.

    Apropos Schulnoten: Darum gehts auch in der nächsten Sendung Dossenheim zur Kreidezeit am Donnerstag, 24. Mai, um 20 Uhr auf unserem LIVE-Kanal. Einschalten, zuschauen, mittwittern! #kreidezeit … und wenn ihr schon am Twittern seid, könnt ihr ja auch gleich der Heinrich-von-Stephan-Schule folgen: @HvStephan

     
    • Marek 13:21 am 20. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Ich habe Jens Großpietsch vor 3 oder 4 Jahren auf einer Veranstaltung in der 1. Gemeinschaftsschule in Charlottenburg “kennengelernt” (der Bildungssenator Zöllner war mit dabei, Erika Risse u.a.). Mir gefiel seine, wie es Füller nennt, pragmatische Art sehr. Ich teile Großpietschs Meinung zu Schulnoten. Wenn man schon Kinder mit anderen Kindern vergleichen möchte, dann macht das meiner Meinung nach nur Sinn, wenn man es standardisiert macht (siehe einige der Tests auf http://www.testzentrale.de). Aber das wird wohl aus den verschiedensten Gründen nie flächendeckend möglich sein und selbst wenn, dann würden die Tests in den Schulen wohl “unterschiedlich” gehandhabt werden, weshalb eine Vergleichbarkeit wieder für die Katz wäre.
      Das “Problem” von Noten ist nicht unbedingt, dass Eltern in ihnen immer eine Info sehen zur Frage “Wie steht mein Kind?”, sondern darin, dass Noten als erfahrungsbedingte “Motivations- und Druckmittel” gelten. Ich denke, die meisten Erwachsene haben die Erfahrung in der Schule gemacht, dass sie ohne Noten nicht gelernt hätten.

      In jeder Schule, die auf Noten verzichten möchte, muss meiner Meinung nach eine “Lernen ist cool”-Atmosphäre herrscht. Das heißt nicht, dass sich dort alle lächelnd an die Hände fassen und sich gegenseitig die Haare machen. Schule hat da aber etwas mit dem Schüler “im Hier und Jetzt” zu tun, weil sie Sinn gibt und ihn einlädt, neue bedeutungsvolle Erfahrungen zu machen. Eine solche Schule kann aber nicht eine sein, in der die Schüler ständig nur mit Wissen abgefüllt werden, das für sie ohne Sinn ist. Diese Schulen brauchen Noten zwingend.

      • Marek 13:35 am 20. Mai 2012 Permalink | Antwort

        Sehe gerade auf Phoenix in einem Manager-Magazin ein Gespräch. Da sagt ein ehemaliger Manager: “Führung braucht Zutrauen. Und daraus entwickelt sich dann Vertrauen zum Mitarbeiter.” Dass Vertrauen entstehen kann, liegt also in der Bringschuld des Anderen. So wie Großpietsch spricht, zeigt er, dass er in jedes Kind Zutrauen hat! Und dieses Zutrauen ist die Basis für Lernen – auch für Lernen ohne Noten. ;-)

    • @Britsyl 16:57 am 20. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Ich hatte das Vergnügen einen Tag in dieser Schule hospitieren zu dürfen. Als erstes ist mr morgens die stressfreie Atmosphäre vor Unterrichtsbeginn aufgefallen. Leise respektvolle von Schülerinnen und Schülern an Stehtischen um 7:55h.
      Hut ab! Das kann nur gelingen,
      wenn ziemlich stimmt.
      Auch habe ich selten so motivierte 6.Klässler Rechtschreibung üben sehen. Ein strahlender Schüler sagte: ich liebe es. Ich merke, was ich kann.

      Darum geht es doch, oder?
      Schüler dahinzuführen und dabei zu begleiten. Das ist kein Soaziergang, doch wenn die Begeisterung an der eigenen Potentialentfaltung geweckt ist, findet eine neue Lernkultur ihren Raum. Das konnte ich wahrnehmen und der Karteikasten zur täglichen Rechtschreibübung steht in meiner Klasse. Ein Anfang…

  • dunkelmunkel 13:55 am 16. May 2012 Permalink | Antwort
    Tags:   

    Alles Lernen ist Projektlernen 

    “Alles Lernen ist Projektlernen” – was verbirgt sich hinter einer solch gewagten Hypothese? Weshalb ist Projektlernen eigentlich “gut”? Und wie bewertet man das? Die Bildungsreporter sprachen mit einer, die es wissen muss: Lisa Rosa vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg. Follow @lisarosa!

    Wie denkt ihr darüber? Please comment!

     
    • Sigi Jakob 15:31 am 16. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Hallo Lisa,
      ich hatte die Freude, das Interview quasi als Sneak Preview schon zu sehen, weil ich in Lutz’ Kanal abonniert bin. Herzerfrischend, quadratisch, praktisch, gut und eigentlich sollte man doch denken, dass da alle sofort auf den Zug springen, zumal ein solches projektbezogenes Lernen auch dem gesunden Menschenverstand entspricht und dem normalen situationsbezogenen Lernverhalten. Das muss man dann auch nicht irgendwie wissenschaftlich verbrämen, wie das vielerorts gemacht wird, sondern das erschliesst sich durch die praktische Umsetzung. Ich hatte mal vor 10 Jahren quasi aus dem Bauch heraus mit einer Tischlerklasse die Idee eines Messeauftritts umgesetzt, wir waren eine kleine Firma, jeder hatte eine Rolle und wir haben erstmal kräftig gemindmappt, was es da alles zu bedenken und organisieren gibt. Wir konnten alle Fertigkeiten unterbringen, vom Möbelentwurf der Ausstellungsstücke, Entwurf des Firmenlogos, Geschäftsbrief, eMail, Recherchen nach geeigneten Messen im Ausland, Kalkulation der Kosten, Planung des Catering, wir kamen auf immer neue Ideen und alle waren mit Eifer dabei. Man sollte nun denken, es wäre einfach gewesen, Fachkollegen für die Mitarbeit an bestimmten Teilen zu gewinnen … weit gefehlt, wir mussten das dann alles alleine machen, denn …. jetzt kommt der Klassiker unter den Ausreden: es passt grad nicht in den Stoffplan!!!!!!!!!!!!! ( ich unterrichtete in der Klasse nur Englisch und IT)
      Ich hoffe, dass es Verfechter des Projektunterrichts heutzutage damit leichter haben. Aber: auch ohne Unterstützung hat es mit der Klasse einen Riesenspaß gemacht. Mein Rat daher an alle, die eine Idee haben: Mit den Schülern besprechen … und machen!!!!!
      Zum Glück ist deine resolute Stimme im Lande nicht zu überhören :-)
      Ach ja – das Thema Bewertung gehört zu den schwierigsten Unterfangen in dieser Republik, egal, welches Lermodell man vorstellt, es folgt immer gleich die Frage: wie soll ich das denn dann benoten …. arrrggh….. aber dazu hast du ja auch schon sinnvolle Alternativen aufgezeigt.
      Bin auch mal gespannt, was sich in der 3.Sendung zu diesem Thema herauskristallisiert.

      • Lisa Rosa 16:41 am 16. Mai 2012 Permalink | Antwort

        Hallo Sigi, danke für Dein zustimmendes Feedback! Früher habe ich mich über den Nickname “Rigorosa” immer gerärgert. Jetzt seh ich: die Resolutheit hat ja offenbar auch ihr Gutes, immerhin wird man gehört :-)
        Deine Erfahrung, dass das Stoffplan-Exekutieren unhinterfragt zum Hauptinhalt des Lehrerberufs wird, die kenne ich natürlich, v.a. vom Gymnasium. Ich vermute, dass das Zentralabi, das in ganz D im nächsten Schuljahr eingeführt wird, nicht geeignet ist, daran etwas zu ändern, und stattdessen noch zur Verschärfung von Schulverdrossenheit führen wird. Dabei ist gegen zentrale Prüfungen nicht unbedingt etwas einzuwenden. Nur: Wenn eine Stoff-Kanon abgearbeitet werden muss mit bis ins Einzelne vorgeschriebenen Literaturlisten, dann ist das natürlich ein mächtiger Gegenwind gegen die Kultivierung von Projektlernen. Grad war in Hessen ein Deutsch-LK durch die Prüfung gefallen, weil irgendein 19. Jahrhundert-Roman versehentlich nicht im Unterricht behandelt worden war. Achduschreck! Vielleicht habe ich ihn auch nicht gelesen? Dann kann ich ja gar kein Deutsch können? Textverständnis? Professionelles Schreiben? Wissenschaftliches Denken? – Wie komme ich dazu! Wenn ich Effi Briest nicht gelesen habe, muss ich durchs Deutsch-Abitur fallen. Das ist doch Kokolores hoch 10, diese alberne Stoffversessenheit. In Finnland gibt es auch zentrale Abschlussprüfungen. Aber sie würden niemals in Sprachen (Mutter- oder Fremd-) eine bestimmte Belletristik-Lektüre zum Ausgangspunkt nehmen, es sei denn, sie ist kurz und kann in der Prüfung vor Ort gelesen werden – und da dann wahrscheinlich auch zum ersten Mal.

    • m.g. 18:12 am 16. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Ich habe ganz bestimmt nichts gegen Projekte. Sehr geehrte Frau Rosa, erzählen Sie uns was von Projekten wie sie wollen, aber lassen Sie bitte im Kontext ihrer absoluten Verfechtung der Projektarbeit die Mathematik außen vor. Woher haben Sie die Kompetenz über das Lernen von Mathematik zu sprechen?

      • schlind 12:38 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

        @m.g.:

        Dann schauen Sie bitte mal hier vorbei: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/02/Mathe

        Vor allem in den Kommentaren dreht es sich z.T. heftig darum, ob Rechenfertigkeit und Mathematik konkret (also auch z.B. projektartig) oder abstrakt gelernt und gelehrt werden kann und soll – sehr interessant!

    • Kristina Lucius 18:25 am 16. Mai 2012 Permalink | Antwort

      @Sigi: Die allein-Erfahrung habe ich anfangs auch gemacht, doch das Blatt wendet sich schnell, wenn sich die allgemeine Begeisterung herumgesprochen hat. Ich habe inzwischen das Glück, dass ich die Leistungen meiner Schüler nicht mehr bewerten muß, im Gegensatz zu einigen anderen Kollegen.
      @m.g.: Ich habe die Projektarbeit im Fach Mathematik als Beispiel eines Kollegen verstanden. Und mit den Kompetenzen, vor allem den schriftlich bescheinigten, scheint es sich manchmal wie mit der Benotung zu verhalten…

    • m.g. 23:41 am 16. Mai 2012 Permalink | Antwort

      @Kristina Lucius Logisch ist das angesprochene Beispiell ein Beispiel und sicherlich sogar ein interessantes. Mich stört einfach bei Frau Rosa, dass sie die Projektarbeit derart als das Non plus ultra des Lernens darstellt. Egal um welches Fach es sich handelt, egal um was für Schüler es sich handelt, Projektarbeit ist der einzige Weg. Alles Lernen ist Projektarbeit. Das würde ich für mein Fach so nicht stehen lassen wollen. Hier wird Frau Rosa einfach unseriös.

      • Lisa Rosa 11:31 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

        Herr Gieding (m.g.), Sie sind Wissenschaftler, wie ich Ihrem Profil entnehmen kann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der PH Heidelberg. Umso mehr erstaunt es mich, dass Sie von den üblichen Gepflogenheiten einer Diskussion abweichen. Ich meine – zumal von einem Menschen mit einer wissenschaftlichen Haltung – erwarten zu dürfen, dass er zur Sache spricht und Argumente vorbringt, und nicht zur Person, der er unsachliche Vorwürfe macht (nicht kompetent) oder unmoralisches Vorgehen bescheinigt (unseriös).

        In Ihrem ersten Beitrag verwenden Sie den Begriff “Kompetenz” im Sinne von “Befugnis”, wenn ich Sie recht verstanden habe? Wenn so, dann fragen Sie also danach, ob ich mich zu Mathematik-Didaktikfragen äußern DARF, nicht, ob ich es KANN.
        Selbst, wenn Sie meine Statements ganz unmöglich finden – was Ihr gutes Recht ist – dann ist das für einen Wissenschaftler (und nicht einen Verwaltungsbeamten mit Vorgesetztenfunktion) doch eine erstaunliche Frage.
        Sie haben mich außerdem missverstanden – infwiefern, das hat Kristina Lucius in ihrem Beitrag dankenswerterweise schon geklärt. Ich habe einen Kollegen zitiert – nicht mehr und nicht weniger. Ich wüsste nicht, wofür es da eine Befugnis bräuchte.

        In Ihrem zweiten Beitrag geht es um meine Seriosität.
        Für seriös im Sinne einer wissenschaftlichen Haltung würde ich halten, dass Einwände und Widerspruch entweder zu meinem Projektbegriff gemacht würden. Dann würden wir um die verschiedenen Konzepte von “Projekt” diskutieren, die es sowohl theoretisch als auch im Alltagsverständnis gibt. Oder Sie nehmen mich beim Wort – also bei meinem Projekt-Begriff – und entgegnen, dass mit meinem Verständnis von Projekt und von Lernen in der Mathematik nicht alle Gegenstände bearbeitbar sind. Dass also mein Konzept nicht mit gewissen empirischen Befunden in Einklang zu bringen ist. Beispielsweise könnten Sie meine Behauptung, dass alles Lernen als Projekt verstanden und dann auch als Projekt organisiert werden kann (das ist eine andere Aussage, als die, die Sie mir in Ihrer Polemik unterstellen), argumentativ beantworten, indem Sie zeigen, inwiefern und wo dies in Ihrer Domäne eben nicht zutrifft …

        Macht zwei Euro fuffzich für Nachhilfe in Diskurskompetenz. ;-)

        • Sigi Jakob 11:54 am 17. Mai 2012 Permalink

          Lisa, bei diesem Tarif häte ich auch gerne Nachhilfe bei dir ;-) ….. und ich könnte sie sicher gut gebrauchen!

    • schlind 12:51 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Kleiner Hinweis auf den Artikel von Lisa Lane http://lisahistory.net/wordpress/2012/04/leaving-an-open-online-class/ .

      In der Diskussion schreibt Laura Gibbs den wunderbare Satz “It’s the projects that motivate my students…”

    • cspannagel 13:01 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Hallo zusammen,
      ich versuche der Sache mal eine inhaltliche Wende zu geben. ;-) ;-)

      Ich argumentiere jetzt aus mathematikdidaktischer Sicht anhang eines Beispiels: Bruchrechnen lernen. Bruchrechnen ist eine verdammt komplexe und schwierige Sache, die eines sehr sorgfältigen Aufbaus adäquater mentaler Vorstellungen bedarf. Hierzu braucht es gut ausgewählte Unterrichtssituationen, in denen diese Vorstellungen sorgsam aufgebaut werden. Und letztlich ist eines wichtig: Üben, üben, üben. Denn: es sind zig Teilprozesse (wie beispielsweise kürzen oder erweitern) notwendig, die ihrerseits beherrscht werden müssen, wenn es zum nächsten Prozess geht (z.B. Addition von Brüchen). Dabei können zig (berühmt-berüchtigte) Fehler gemacht werden, die ihrerseits besprochen gehören (wiederum an sorgfältig ausgewählten Veranschaulichungen). Hierzu bedarf es eines enormen Gespürs und einer hohen didaktischen Kompetenz der Lehrperson.

      Es ist klar: Aus Sicht eines Schülers könnte man nach Lisas Terminologie das Bruchrechnen-Lernen als Erkundungsprojekt auffassen (“Ich möchte lernen, wie man mit Brüchen rechnet”). Allerdings ist der Sprung zum Projekt in der Schule, in der dieser Bereich sozusagen aus der Projektarbeit heraus erschlossen wird, kaum vorstellbar – zumindest ist mir kein derartiger Projektansatz fürs Bruchrechnen-Lernen bekannt.

      Dies ist für viele Bereiche im Mathematikunterricht der Fall: Erstrechnen, Wahrscheinlichkeitsrechnung, … für andere ist es schon eher vorstellbar (z.B. geometrische Körper, Sachrechnen, …). Insofern würde ich aus mathematikdidaktischer Perspektive sagen: Mmh, auch wenn jedes Lernen als Projektlernen aufgefasst werden kann, lassen sich vermutlich (!) viele Bereiche nicht in Form von Projekten erschließen – zumindest ist es verdammt riskant (und ich bin normalerweise risikofreudig ;-)).

      • Lisa Rosa 14:21 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

        “Mmh, auch wenn jedes Lernen als Projektlernen aufgefasst werden kann, lassen sich vermutlich (!) viele Bereiche nicht in Form von Projekten erschließen – zumindest ist es verdammt riskant”
        Projektbegriff ist weiter: Das Projekt ist das Dach, der Rahmen. Innerhalb des Projekts (und es gibt viele Projekte – auch in der Wirtschaft – die können und müssen 1 – 3 Jahre dauern; das Projekt, ein Kind groß zu ziehen, z.B. dauert 18 Jahre), gibt es in einzelnen Phasen häufig Schritte, die andere Lernformen enthalten, z.B. Training (Üben) oder mal ein Lehrgang, oder eine Vorlesungsreihe, whatever.
        Ich geb ein Beispiel eines Echtprojekts (durchgeführt), ganz berühmt:
        “Von Null auf 42″ hieß vor Jahren ein erfolgreiches Projekt, wo alle möglichen Leute verschiedenen Alters, die ganz untrainiert , zum Teil sogar fett waren, sich entschlossen, in einem Jahr in der Lage zu sein, den berühmten New York Marathon zu laufen.
        Projektsinn: (für die Veranstalter: die Leute sollen lernen, gesund zu leben / für die Teilnehmer: boah, ich werd Finisher in New York – whatever, jemand Fettes erhoffte sich eine Traumfigur, andere fanden es einfach abgefahren und abenteuerlich. Jeder hatte einen anderen Projektsinn!)
        gemeinsames Ziel: klar. Die Leute wurden zum nächsten angemeldet.

        So naja, man kann den Bericht auch im Netz googlen, ALLE sind den marathon gelaufen. Sie haben alle von schlapp, ungesund, hässlich auf trainiert, gesund, usw. ihr Leben geändert.
        Und klar: die Hauptlernmethode war ein einjähriges nahezu tägliches Lauftraining – was denn sonst! Und dann hatten sie Vorträge und Meetings mit Lehrganssessions, wo sie gesund kochen lernten und und und …
        Das war ein Projekt! Grandios!

        Solche Projekte gibt es übrigens auch in der Pädagogik. Man muss sie kennenlernen, um zu verstehen, was Projekt ist. In HH gibt es eine Schule (Stadtteilschule Winterhude), die machen jedes Jahr 3-wöchige Projekt – solche!
        Und in Sudbury-Schools lernt man genauso das ganze Jahr. Ein Projekt nach dem anderen, mehrere Projekte nebeneinander …

    • m.g. 13:34 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      @Christian Danke, mir fehlt momentan die Zeit. (20. Mai, du weißt was gemeint ist)
      @Lisa Rosa Es ging mir ganz bestimmt nicht um Ihre Person. Es geht mir um diese Absolutheit der verehrung von Methoden im Sinne einer Heilslehre. Wenn das hier von mir polemisch ist, na dann haben Sie mich noch nicht beim Polemisieren erlebt. Vielleicht liegt es daran, dass ich ja wirklich kein Wissenschaftler bin und vor allem auch kein Bildungswissenschaftler sein will. Ich glaube aber, dass ich genug gesunden Menschenverstand habe. Das mit der Kompetenz habe ich nicht als Befugnis verstanden haben wollen: Wenn ich das mal auf mich umdrehe, wäre ich z.B. definitiv nicht kompetent (egal ob befugt oder nicht) irgendwas wirklich Gehaltvolles etwa bezüglich eines Unterrichts in Kunst sagen zu können.
      Apropos Polemik: alte Methode: Schüler sind vor allem auf der Suche danach, was der Lehrer hören möchte, demgegenüber Projektlernen … .
      Wenn das keine Polemik ist! Also bitte, es ist ein Schlag in das Gesicht vieler Lehrer, die sehr engagiert ihrer Tätigkeit nachgehen und mit den alten Methoden mündige junge Persönlichkeiten heranwachsen lassen. Es liegt doch wohl an meiner Lehrerpersönlichkeit, ob ich meine Schüler auf dem Niveau “was will er nur von mir hören” belasse.
      Wohin soll ich im übrigen die 2,50€ überweisen?

      • Lisa Rosa 14:06 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

        Danke, ich sehe, Sie haben Humor. Also ab zu den Akten mit der Vorwerferei. Aber wie kommen Sie denn auf die Idee mit der Heilslehre? Bloß, weil ich – ich sage es nochmal – formuliere: Alles Lernen kann als Projektlernen verstanden und organisiert werden? Kennen Sie denn meinen Projektbegriff?
        @cspannagel: ich sehe, Du hast auch einen anderen Projektbegriff als ich. Wenn Bruchrechnen angesagt ist, dann ist das als ein Projekt vorstellbar, dass (Ziel: ) alle SchülerInnen der Klasse bis dann und dann (= Zeitrahmen) verstanden haben, was Brüche sind, wie man mit ihnen rechnet und wie sie das Ganze in ihrer Lebenswirklichkeit verwenden können. (nur mal zum Beispiel). Und dann muss natürlich geklärt werden, was und wie zu lernen ist, um dieses Ziel zu erreichen. Die Voraussetzungen müssen erarbeitet werden – das Verständnis für den Bruch-Begriff kann ja nun wirklich aus den Ergebnissen einer Erkundung im Leben (wie die Dreiecke) entwickelt werden. usw.
        Guck dir mal mein letztes Posting an und da die Grafik mit den 7 Phasen eines Projekts: Da fällt dir bestimmt ein, wie Du Deinen Bruchrechnen-Lehrgang umformen könntest in die 7 Phasen. Du hast soviel Fantasie!
        Echt jetzt: Nicht überall, wo Projekt draufsteht, ist auch Projekt drin. Und ebenso gibt es einen Projektbegriff der Allgmeinen Didaktik, der ist viel viel weiter als jeder Alltagsbegriff. Er ist eine große Methodologie, wie man Lernvorhaben und Entwicklungsaufgaben in eine nachhaltige und den Bedingungen des Lernens adäquate Form bringen kann. Dieser Begriff (und sein Konzept) hat nichts mit dem Alltagsverständnis von Projekt zu tun.
        Das Wichtigste für das Projektverständnis nach Dewey (und daher stammt meines:) ist, dass die Lernenden an ihren eigenen Fragen arbeiten. – Ach, das ist ja der vorvorige Blogpost auf shift ;-)

        • m.g. 18:06 am 17. Mai 2012 Permalink

          Kenne ich nicht, es scheint aber ein ziemlich abstrakter Begriff des Projektes zu sein. In diesen Sphären frage ich mich immer, ob das Ganze nun wirklich noch einen Bezug zur Realität hat. Aber ich werde mich trotzdem mit beschäftigen. Ansonsten bin ich der Meinung, gesunder Menschenverstand und Spaß und Begeisterung an der Sache sind ausreichend. Dazu vielleicht ein wenig grundlegendes Handwerkszeug. Wir brauchen einfach mehr gute Lehrerpersönlichkeiten (aller Couleur, auch hier macht es die Vielfalt) und weniger abstrakte Theorie (ich bin halt wirklich kein Wissenschaftler und verstehe mich auch eher vergleichsweise als Handwerker). Ansonsten habe ich mal 7 Phasen eines Projektes gegoogelt und folgendes gefunden:
          Die sieben Phasen eines Projektes:
          1. Begeisterung
          2. Verwirrung
          3. Ernüchterung
          4. Suche nach dem Schuldigen
          5. Bestrafung eines Unschuldigen
          6. Auszeichnung eines Nichtbeteiligten
          7. Rückkehr zum altbewährten System
          Aber da sind ja sicher die Projekte entsprechend des umgangssprachlichen Projektbegriffs gemeint.

    • Berta 18:21 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      1. Wenn alles Lernen Projektlernen ist, dann macht der Begriff keinen Sinn. “Projektlernen” wäre dann ein ähnliches Schicksal beschieden wie dem Begriff “Medium”.

      2. Projektlernen krankt an der “sei spontan!”-Paradoxie: Ein Schüler soll aus eigenem Antrieb lernen, was für ihn bedeutsam ist – gut. Aber das geschieht eben gerade nicht institutionell gerahmt, sondern: Aus eigenem Antrieb oder gar nicht. Jeder versuch, Spontaneität in der Schule zu inszenieren, ist künstlich und zum Scheitern verurteilt. Die Projektlehrer merken das nur nicht, weil Schüler gelernt haben, sich im System zu verstellen.

      3. Projektlernen geht von einem idealisierten Schülerbild aus: Manchmal muss man Schüler dazu zwingen, etwas zu lernen, was sie momentan nicht interessiert. Denn nur so erschließen sie sich eine Wissensbasis, die sie nutzen können, um eigene Interessen auszubilden.

      4. Verzicht auf differenzierende Noten ist ideologischer Bildungssozialismus.

      • m.g. 19:34 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

        Das ist mal herzerfrischend geschrieben. Aber Sie wollen doch wohl nicht wirklich durch Zwang die arme Schülerseele beschädigen?

    • Berta 20:45 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      @m.g.: Oh, natürlich, der böse Zwang. Nein, nein. In Wahrheit läuft es – wir wissen es alle – so: Der Lehrer, pardon: die Lehrkraft ! – betritt die Klasse, in der sich die wissbegierigen Schüler(innen) schon spontan zu interessensgeleiteten, intrinsisch motivierten projektgruppen zusammengeschlossen und erste Lernideen entwickelt haben. Die Lehrkraft ist nur noch Moderator dieser selbstgesteuerten, zielführenden Projektprozesse. Es könnte alles so einfach sein, wenn wir endlich aufhören würden, Lernstoff zu vermitteln und anzunehmen, dass ein 12-jähriger anderes im Sinn hat, als zwischen 8 und 13 Uhr an seiner Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten. Ein Hoch! auf pragmatische Realisten wie Frau Rosa, deren Ideen endlich einmal umgesetzt werden sollten, denn dann würden sich all die bösen, bösen Probleme des Schulwesens von selbst erledigen! Effi Briest? Wozu das denn? Jawoll!

    • Kristina Lucius 21:19 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      @Berta: Was Du beschreibst (Lehrkraft findet zu Beginn der Stunde motivierte Lernende vor usw.), das gibt es doch schon. Denk’ nur an die freiwilligen Theater- oder Sportgruppen. Und vielleicht liegt es sogar daran, dass in diesen Fächern trotz Lehrplan keine Noten verteilt werden und die Lehrkraft moderieren darf. Was verstehst Du in diesem Zusammenhang unter dem Begriff “ideologischer Bildungssozialismus”?
      Nach meinem Wissen geht “die Schule” (z. B. im Lehrplan) bereits ohne Projektlernen von einem idealisierten Schülerbild aus (z. B. Deutsch als Muttersprache, bürgerliches und sozial-intaktes Umfeld), weshalb es im realen Schulalltag einfach krachen muß.

    • Berta 21:37 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Ich will mal klarstellen, was mich so enerviert: Frau Rosa bildet – wenn ich richtig gegoogelt habe – Referendare aus. Gibt Ihnen Noten. Entscheidet über ihre berufliche Zukunft. Und vertritt eine didaktische Position die durch und durch ideologisch ist. Und ich wette: Ein Referendar, der nicht auf den “Alles-ist-Projektlernen”-Pfad einschwenkt, wird dafür notenmäßig abgestraft. Extreme ideologisch-didaktische Positionen zu vertreten, ist völlig ok. Wenn man das aber staatlich alimentiert macht, wird es zu einem Problem. Ich kann nur hoffen, dass mich Frau Rosa im Umgang mit ihren Referendaren schlichter Unwissenheit straft.

      • Lisa Rosa 09:20 am 18. Mai 2012 Permalink | Antwort

        Ich gebe keine Noten und beurteile nicht. Ich strafe auch niemanden ab für andere Meinung. Beim nächsten mal gerne: erst fragen, dann die krasse Kante.

    • m.g. 23:03 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Als er in die 6. Klasse ging, lernte ich Kevin kennen. Wir wissen, Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose. Ich lernte Kevin kennen, weil ich mit meinen Studenten (weibliche eingeschlossen) im Schulpraktikum an Kevins Hauptschule war (und bin.) Kevin wurde von seiner überforderten Mutter alleine groß gezogen. (Ich weiß was das bedeutet. Ich war alleinerziehender Vater einer wunderbaren Tochter.) Kevin war ihr ein und alles und ihm mangelte es an nichts, was seine Mutter entsprechend ihrer Möglichkeiten zu kaufen in der Lage war (bzw. auch eigentlich nicht war). Kurz Kevin war intelligent und verzogen, eine üble Mischung. Recht schnell waren die Ärzte dann bereit, Kevin als hyperaktiv zu deklarieren. Damit war Kevin raus aus der Nummer, er konnte nichts dafür. Retalin gab es zunächst noch nicht für Kevin, das folgte erst später. (Heute ist er nach Meinung seiner Umwelt recht gut eingestellt.)

      Wie üblich, unterrichtete ich selbst, um meinen Studenten (weibliche eingeschlossen) konkret zu zeigen, was ich mit täglicher Übung und all diesem normalen Handwerkszeug des Mathelehrers eigentlich meine. Kevin machte es uns nicht leicht. Singenderweise teilte er uns ständig mit, dass Carglass repariert und dazu auch noch austauscht. Mir blieb zunächst nichts übrig, als Kevin (völlig unpädagogisch, ich schäme mich sehr) extrem autoritär zusammenzustauchen und letztendlich Kraft meiner Wassersuppe zu zwingen sich am Unterricht zu beteiligen. Das Ergebnis: Kevin wich mir von nun ab das ganze Praktikum nicht mehr von der Seite. Kevin hatte seit langem eine Rückkopplung bekommen, zwar keine positive aber immerhin eine Reaktion auf sein Verhalten.

      Sie dürfen jetzt die Geschichte weiter schreiben.
      Variante a) Kevins Hauptschule wird aufgelöst und Kevin kommt an eine Art Gesamtschule, in der es keine Noten gibt und alles irgendwie und irgendwo ein Projekt ist, was letztlich auch bedeutet, das jeder macht was er will und keiner macht was er soll aber alle mitmachen. Kevin ist im übrigen gut darin, Schwächere und weniger intelligente um sich zu scharen und zu manipulieren. Kann natürlich sein, dass Kevin, da ja nun alle so hervorragend kollaborierend zusammenarbeiten, sofort geläutert nur noch lernen will. Kann aber auch sein das der/die Lernbegleiter/in Kevin, wie sonst auch üblich, machen lässt wie er will, Hauptsache es wird nicht zu laut. Die armen Schweine, die Kevin drangsaliert, haben selbst Schuld, wir sind ja schließlich im Sinne des selbstverantwortlichen Lernens alle auch selbst dafür zuständig wie man mit uns umgeht.

      Variante b) Kevin bekommt einen Lehrer, der wirklich ein Lehrer ist …

    • Berta 23:24 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Wenn das Konzept von Lisa Rosa nicht in der Schulwirklichkeit so abgrundtief traurig wäre, könnte ich herzlich über Kevin lachen… Schlimmer als jeder Nürnberger Trichter sind ideologische Absolutheitsfantasien a la Lisa Rosa…

      • Lutzland 23:40 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

        ich weiss, wer lisa rosa ist, aber von berta weiss ich nichts. bis auf ziemlich krasse kante. Ob wir mal bildungsreportermässig mit dir skypen können, um mehr über dich und deine position zu erfahren?

    • Berta 23:45 am 17. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Ja, sehr gerne. Aber: Zunächst sollten mal Argumente zählen. Und man sollte die zutiefst ideologische Position von Frau Rosa kritisieren dürfen, auch bzw. gerade weil das “krasse Kante” bedeutet.

      • Lutz Berger 17:21 am 31. Mai 2012 Permalink | Antwort

        berta, wir haben mehrfach und redlich versucht, dich vor der sendung zu erreichen. leider hast du nicht darauf geantwortet, ebenso wie es nicht möglich war, dein lindenstrassen-pseudonym zu orten. beides ist schade, zumal ich, wenn du lehrerin sein solltest, darauf wette, dass du exakt ein solches verhalten bei deinen schülern anmahnen würdest ;-)

    • Sigi Jakob 00:40 am 18. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Also eigentlcih wollte ich mich hier als nicht mehr unterrichtende Lehrerin zurückhalten, aber diese Diskussion( bzw. Polemik) geht mir gegen den Strich. Man kann über alles diskutieren, aber jemand ideologische Verbohrtheit vorzuwerfen, wenn es um Unterrichtsmodelle geht, die zumindest versuchen, verkrustete Strukturen in der Bildung – (und die sind verkrustet, das kann ich aus eigener Erfahrung ganz unideologisch behaupten) aufzubrechen und Lösungswege aufzuzeigen, das ist polemisch. Wir wissen doch alle ganz genau, dass es nicht von heute auf morgen gelingt, alle Schüler zu motivieren, selbstgesteuert zu lernen – zumal sie beim Projektlernen viel mehr “Arbeit” haben als beim Frontalunterricht. Aber: wenn in ihrer bisherigen Schullaufbahn der Frontalunterricht die Regel war, woher sollen sie dann bitte schön von jetzt auf nachher im Projektlernen erfolgreich und motiviert sein? Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die in der Regel anfängliche Begeisterung bei einigen schnell umschlägt in Ablehnung, weil auch Schüler in den traditionellen Rollen verhaftet sind. Ich hatte mal einen – erwachsenen – Schüler, der mir ins Gesicht sagte, er sehe nicht ein, dass er jetzt die richtigen Übersetzungen für englische Fachbegriffe in ein Kursglossar eintragen solle, ich würde schliesslich dafür bezahlt, ihm etwas beizubringen – worauf er sich entspannt in seinem Stuhl zurücklehnte ;-)
      Dazu kommt das gesamte schulische und kollegiale Umfeld, das entscheidend dafür ist, ob eine andere Unterrichtsform mitgetragen wird oder von vornherein mit Spott und Hohn hinter dem Rücken des Kollegen begleitet wird – jawohl, das gibt es alles! Viele Faktoren tragen zum Gelingen oder Scheitern eines Lernmodells bei und es gibt nicht DAS EINZIG RICHTIGE Lernmodell, egal ob Projektlernen oder Frontalunterricht und so wie ich Lisa Rosa bisher kenne, steht sie mit beiden Füssen auf dem Boden und hat den Mut, auch gegen Widerstände und ohne ideologische Hintergedanken, praktikable Modelle auszuprobieren. Vielleicht äussert sich dazu auch mal eine/r ihrer Referendar/innen, das wäre interessant.
      Wichtiger als zu polemisieren, wäre es gemeinsam zu überlegen, wie man denn Schüler wie Kevin wieder am Lernen interessieren und ihm zu Erfolgserlebnissen verhelfen könnte …. da gibt es viel zu tun!

    • martinlindner 00:41 am 18. Mai 2012 Permalink | Antwort

      hier geht eine ganze menge durcheinander, verständlicher weise. es ist sehr verdienstvoll, das konzept “projektlernen” neu und konkreter zu definieren, wie es in einem workshop in Hamburg demnächst geplant ist.

      : die didaktische perspektive, die reformpädagogische gleichsetzung von projekten mit “hands-on”

      ich selbst unterstütze ja die behauptung, dass alles lernen “projektlernen” sein könnte und sollte, aber das setzt voraus, dass man einen brauch- und abgrenzbaren begriff von “projekt” hat.

      hier empfehle ich die auseinandersetzung mit den (neueren, oft aus dem OpenSource-kontext stammenden) konzepten des “Projektmanagement 2.0″ und auch mit dem Projektbegriff des Selbstmanagementsystems “Getting Things Done”. nicht, um das einfach zu übernehmen, aber um daraus einen eigenen begriff zu entwickeln, der für lerner/innen brauchbar sein könnte.

      folgende liste habe ich für mich selbst mal auf einem notizzettel aus mehreren quellen kompiliert und adaptiert. ich stelle sie hier ohne kommentierung hin, auf die gefahr hin, dass sie etwas sperrig wirkt. was das für “projektlernen” bedeutet, müsste man im einzelnen erst noch überlegen:

      “* Projektziel: Es gibt ein klares Bild davon, was am Ende erreicht sein soll. Ein greifbares Resultat.

      Schwer überschaubar: Es werden mehr als drei Schritte benötigt bzw. es ist unklar, wieviele Schritte benötigt werden.
      Projektzeitraum: Projekte haben ein Ende innerhalb einer überschaubaren Zeit. (Typische Dauer von nicht-institutionellen Projekten: zwischen 3 Tagen und 3 Monaten.)
      Knappheit: Es gibt ein knappes Budget von Zeit, Energie, Geld.
      Machbar: Es gibt (im Prinzip oder vermutlich) eine Reihe von konkreten (physischen, sichtbaren) und prinzipiell machbaren Aktionsschritten, mit denen das Projektziel erreicht werden kann.
      Es gibt kein klares Wissen davon, wie es geht (man muss es erst herausfinden, während man dabei ist). Die einzelnen Schritte sind vorab nicht klar festlegbar.
      Der Prozess selbst erscheint “brüchig”. (Es gibt Kontextwechsel, komplexe Einflüsse und Rückkopplungen, mehrere Leute und Perspektiven, Neuansätze usw.).
      Der Prozess wird ständig modelliert (Entwurf > Probleme > Lösungen, als Einstieg und dann immer neu, auch für Teilschritte).
      Es wird eine Kontinuität über die einzelnen Schritte hinweg angestrebt (Kettenreaktion, Ausrichtung am Ziel).
      Kollaboration: Verschiedene Leute mit verschiedenen Kompetenzen sind involviert. (“Solo-Projekte” sind Sonderfälle.)”

    • lutzland 10:56 am 18. Mai 2012 Permalink | Antwort

      teile der diskussion passen ja bereits perfekt zu unserem dossenheim-zur-kreidezeit-thema vom nächsten donnerstag: noten. und über den punkt von BERTA (siehe oben)

      4. Verzicht auf differenzierende Noten ist ideologischer Bildungssozialismus.

      würde ich liebend gern vor oder noch besser IN der sendung ein skype-interview mit ihr führen, hallo berta, bist du bereit dazu?

    • martinlindner 11:26 am 22. Mai 2012 Permalink | Antwort

      hier auf YouTube ist übrigens eine SchülerInnen-stimme zum “projektlernen” in der schule-wie-sie-ist (in bayern jedenfalls). Know Your User! http://www.youtube.com/playlist?list=PL6193D84E9ED556DF

    • Kristina Lucius 12:53 am 22. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Danke, Martin, für den Link! Diese Hannah ist ja herrlich ehrlich: “Die Lehrer verstehen nicht, wo das Problem liegt.” (4/6) Woran das wohl liegen mag? ;)

    • harald 23:00 am 23. Mai 2012 Permalink | Antwort

      als ein ‘Unbedarfter’, aber die Diskussion trotzdem interessiert ‘Verfolgender’ möchte ich – ohne den Diskurs erheblich stören zu wollen – ein paar Fragen formulieren, die mir während dieser Diskussion in den Sinn kamen:

      warum ähnelt diese Bildungsdebatte so sehr einer politische Debatte, in der es meist darum geht, eine subjektiv gesehene ‘Möglichkeit’ als eine objektiv gültige ‘Wahrheit’ anbieten zu wollen ?

      warum setzen wir also so sehr auf ‘Wahrheiten’ und nicht eher auf ‘Möglichkeiten’ ?

      warum können wir nicht Lernwelten bauen, die den Lernende viele facettenreiche ‘Möglichkeiten’ des Lernens erfahrbar werden lassen ?

      warum setzen wir voraus, das ein Lehrender bzw. ein Bildungswissenschaftler wissen kann, welcher dieser ‘Möglichkeiten’ ein Lernender unbedingt erfahren sollte ?

      warum kann ein Lernender nicht die ‘Möglichkeiten’ seines Lernens selbst bestimmen ?

      warum stimmen wir nicht alle darüber ein, dass ein Lehrender nicht für jeden Lernenden bestimmt sein kann ?

      warum glauben wir, dass wir die Lernenden, aber nicht die Lehrenden neu ausrichten müssen ?

      warum richten wir über Lehrende, die Lernen neu denken wollen ?

      Ich weiß nicht, ob ich wirklich gute Antworten auf all diese Fragen hätte.

    • Lutz Berger 17:17 am 31. Mai 2012 Permalink | Antwort

      … aber die fragen sind gut!

  • dunkelmunkel 15:52 am 15. May 2012 Permalink | Antwort
    Tags: flipclass, flippedclassroom,   

    Jürgen Handke über den flipped classroom 

    Jürgen Handke ist einer der populärsten Vertreter des inverted classroom (manche sagten auch flipped classroom) in Deutschland. Er und sein Team haben im März 2012 sogar die erste deutsche Inverted Classroom Conference durchgeführt. Grund genug, der Sache auf den Grund zu gehen… oh, das war jetzt stilistisch schlecht… zweimal “Grund”… aber, Perfektion ist nicht das Ziel, wie Jürgen Handke im Interview erklärt. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Zuschauen!

    By the way: Habt ihr schon einen Blick auf unsere neue Website Dossenheim zur Kreidezeit geworden? Wenn nicht: Dann aber mal schnell!

     
  • dunkelmunkel 15:31 am 13. May 2012 Permalink | Antwort
    Tags: , opco12   

    Jochen Robes über den Open Course 2012 

    Zurzeit (Frühjahr 2012) findet der Open Course 2012 zum Thema “Trends im E-Teaching” statt. Das dazu passende Hashtag ist jedem Twitterer sicher schon mal untergekommen: #opco12. Einer der Macher des Open Course ist Jochen Robes, der vielen sicher von weiterbildungsblog.de bekannt ist. Die Bildungsreporter sprachen mit ihm über seine Erfahrungen und über die Zukunft des Open Courses.

    Besonders interessant finden wir die Einführung der Badges als “Belohnung” für erbrachte Leistungen… ein alternatives Modell auch für die Schule? In der nächsten Sendung von Dossenheim zur Kreidezeit am 24. Mai um 20 Uhr werden wir darüber sprechen. Apro-Popo: Wir suchen noch Kurznachrichten für die nächste Sendung!

     
    • Frieder 12:39 am 14. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Hallo Christian,

      habe kürzlich durch die Beiträge der #rp12 gezappt und dabei auch bei Jana (Gophi)´s Beiträgen zu Lernen mit mobilen Endgeräten, Educaching, den Edunauten etc. hängen geblieben.

      Da wir an der PH ja auch die GIS Station haben, wäre es nicht mal ein Themenspecial wert? Da ja der Sommer vor der Tür steht, könnte man dies vielleicht sogar mit Außenbeiträgen, oder einem Sommerspecial draußen kombinieren (muss gerade an die Wetten Dass Exkursionen nach Malle denken…).

      Kreidezeit im Biergarten mit GPS und Co … und auch passend zu dem OPCO Thema Tablets…

      So genug gesponnen, muss mal wieder an meiner Arbeit schreiben.

      • cspannagel 23:32 am 14. Mai 2012 Permalink | Antwort

        Hi Frieder,
        danke für die Anregung! Eine Sendung zum Thema “Digitale Medien” haben wir natürlich schon auf dem Schirm. :-) … man könnte dabei auch mehr in Richtung mobile learning gehen… wir nehmens mit auf die Liste!

    • Athanasios 23:01 am 16. Mai 2012 Permalink | Antwort

      Badges? Ja… die eierlegende Wollmichsau… ;-) Um ein kritisches Wort einzuwerfen: http://www.technologyreview.com/business/39032/ – Gamification ist DER Hype aktuell und Badges passen genau dazu. Langfristig funktionieren die aber meiner bescheidenen Meinung nach nicht – kurzfristig aber sicher durchaus ein zu überlegendes Mittel. Nur: Wie verhindert man, dass die Leute die Badges NICHT mögen, nicht rausfallen? ;-)

  • dunkelmunkel 20:08 am 10. May 2012 Permalink | Antwort  

    Dossenheim zur Kreidezeit – die Website ist da! 

    Noch rechtzeitig vor der 3. Sendung “Dossenheim zur Kreidezeit” haben wir die Website zur Sendung freigeschaltet: http://www.dossenheim-zur-kreidezeit.de

    Zukünftig wird es die Infos zur Sendung dort geben. Ihr solltet also am besten den RSS-Feed der Seite abonnieren! Hier – bei den Bildungsreportern – werden weiterhin wie gewohnt die Skype-Interviews rund ums Thema Bildung veröffentlich. Stay tuned!

    Tja, und den Trailer der 3. Sendung gibts auch schon: Reinschalten! :-)

     
  • dunkelmunkel 19:09 am 27. April 2012 Permalink | Antwort
    Tags:   

    Aufzeichnung online: Dossenheim die zweite! 

    Die Aufzeichnung der zweiten Sendung von “Dossenheim zur Kreidezeit” ist nun online abrufbar – das Thema: Lehrerbildung der Zukunft. Was ist ein guter Lehrer? Wie sollte das Lehramtsstudium gestaltet sein? Wie viel Praxis ist notwendig, wie viel Theorie? Und wie machen es die Finnen? All diese Fragen wurden angesprochen und diskutiert: mit den Studierenden Ulysses Hucke, Marco Orth und Janna Spannagel,  mit Prof. Dr. Friedirch Gervé von der PH Heidelberg, mit dem Psychologen auf der Couch Helge Schweizer und mit unseren Gästen aus Finnland Emma Kostiainen und Matti Rautiainen von der Universität in Jyväskylä. Diesmal erstmals dabei: BILL DUNG – Niemand zückt den Rotstift schneller!

    Wer die ganze Sendung sehen möchte: bitte schön!

     

     
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