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  • dunkelmunkel 13:17 am 16. June 2012 Permalink | Antworten  

    Achim Lebert über digitale Medien und selbstständiges Lernen 

    Digitale Medien in der Schule – gibts sowas? 🙂 Natürlich, und an manchen Schulen auch schon sehr lange! Seit 10 Jahren werden Klassen mit Laptops am Gymnasium Ottobrunn ausgestattet. Virtuelle und reale Lernräume: Über die Gestaltung der Lernumgebungen für die Zukunft sprachen wir mit dem Schulleiter Achim Lebert.

    Mehr dazu bei Dossenheim zur Kreidezeit am (Achtung! Termin wurde verschoben!) Donnerstag, 19.7., um 20 Uhr! Bis dahin könnt ihr uns Feedback zu den bisherigen Sendungen geben. Her damit! 🙂

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  • dunkelmunkel 17:50 am 19. May 2012 Permalink | Antworten
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    Eine Reformschule in Moabit? 

    „Der beste Pragma-Visionär, den ich kenne“ – mit diesem Satz hat Christian Füller uns auf Jens Großpietsch aufmerksam gemacht. Jens Großpietsch leitet die Heinrich-von-Stephan-Schule, eine reformpädagogische Gemeinschaftsschule in Berlin-Moabit. Gibt’s sowas? Sowas gibts! Er erläutert uns das Schulkonzept, sein Menschenbild und seine Meinung über Schulnoten.

    Apropos Schulnoten: Darum gehts auch in der nächsten Sendung Dossenheim zur Kreidezeit am Donnerstag, 24. Mai, um 20 Uhr auf unserem LIVE-Kanal. Einschalten, zuschauen, mittwittern! #kreidezeit … und wenn ihr schon am Twittern seid, könnt ihr ja auch gleich der Heinrich-von-Stephan-Schule folgen: @HvStephan

     
    • Marek 13:21 am 20. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Ich habe Jens Großpietsch vor 3 oder 4 Jahren auf einer Veranstaltung in der 1. Gemeinschaftsschule in Charlottenburg „kennengelernt“ (der Bildungssenator Zöllner war mit dabei, Erika Risse u.a.). Mir gefiel seine, wie es Füller nennt, pragmatische Art sehr. Ich teile Großpietschs Meinung zu Schulnoten. Wenn man schon Kinder mit anderen Kindern vergleichen möchte, dann macht das meiner Meinung nach nur Sinn, wenn man es standardisiert macht (siehe einige der Tests auf http://www.testzentrale.de). Aber das wird wohl aus den verschiedensten Gründen nie flächendeckend möglich sein und selbst wenn, dann würden die Tests in den Schulen wohl „unterschiedlich“ gehandhabt werden, weshalb eine Vergleichbarkeit wieder für die Katz wäre.
      Das „Problem“ von Noten ist nicht unbedingt, dass Eltern in ihnen immer eine Info sehen zur Frage „Wie steht mein Kind?“, sondern darin, dass Noten als erfahrungsbedingte „Motivations- und Druckmittel“ gelten. Ich denke, die meisten Erwachsene haben die Erfahrung in der Schule gemacht, dass sie ohne Noten nicht gelernt hätten.

      In jeder Schule, die auf Noten verzichten möchte, muss meiner Meinung nach eine „Lernen ist cool“-Atmosphäre herrscht. Das heißt nicht, dass sich dort alle lächelnd an die Hände fassen und sich gegenseitig die Haare machen. Schule hat da aber etwas mit dem Schüler „im Hier und Jetzt“ zu tun, weil sie Sinn gibt und ihn einlädt, neue bedeutungsvolle Erfahrungen zu machen. Eine solche Schule kann aber nicht eine sein, in der die Schüler ständig nur mit Wissen abgefüllt werden, das für sie ohne Sinn ist. Diese Schulen brauchen Noten zwingend.

      • Marek 13:35 am 20. Mai 2012 Permalink | Antworten

        Sehe gerade auf Phoenix in einem Manager-Magazin ein Gespräch. Da sagt ein ehemaliger Manager: „Führung braucht Zutrauen. Und daraus entwickelt sich dann Vertrauen zum Mitarbeiter.“ Dass Vertrauen entstehen kann, liegt also in der Bringschuld des Anderen. So wie Großpietsch spricht, zeigt er, dass er in jedes Kind Zutrauen hat! Und dieses Zutrauen ist die Basis für Lernen – auch für Lernen ohne Noten. 😉

    • @Britsyl 16:57 am 20. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Ich hatte das Vergnügen einen Tag in dieser Schule hospitieren zu dürfen. Als erstes ist mr morgens die stressfreie Atmosphäre vor Unterrichtsbeginn aufgefallen. Leise respektvolle von Schülerinnen und Schülern an Stehtischen um 7:55h.
      Hut ab! Das kann nur gelingen,
      wenn ziemlich stimmt.
      Auch habe ich selten so motivierte 6.Klässler Rechtschreibung üben sehen. Ein strahlender Schüler sagte: ich liebe es. Ich merke, was ich kann.

      Darum geht es doch, oder?
      Schüler dahinzuführen und dabei zu begleiten. Das ist kein Soaziergang, doch wenn die Begeisterung an der eigenen Potentialentfaltung geweckt ist, findet eine neue Lernkultur ihren Raum. Das konnte ich wahrnehmen und der Karteikasten zur täglichen Rechtschreibübung steht in meiner Klasse. Ein Anfang…

  • dunkelmunkel 13:55 am 16. May 2012 Permalink | Antworten
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    Alles Lernen ist Projektlernen 

    „Alles Lernen ist Projektlernen“ – was verbirgt sich hinter einer solch gewagten Hypothese? Weshalb ist Projektlernen eigentlich „gut“? Und wie bewertet man das? Die Bildungsreporter sprachen mit einer, die es wissen muss: Lisa Rosa vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg. Follow @lisarosa!

    Wie denkt ihr darüber? Please comment!

     
    • Sigi Jakob 15:31 am 16. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Hallo Lisa,
      ich hatte die Freude, das Interview quasi als Sneak Preview schon zu sehen, weil ich in Lutz‘ Kanal abonniert bin. Herzerfrischend, quadratisch, praktisch, gut und eigentlich sollte man doch denken, dass da alle sofort auf den Zug springen, zumal ein solches projektbezogenes Lernen auch dem gesunden Menschenverstand entspricht und dem normalen situationsbezogenen Lernverhalten. Das muss man dann auch nicht irgendwie wissenschaftlich verbrämen, wie das vielerorts gemacht wird, sondern das erschliesst sich durch die praktische Umsetzung. Ich hatte mal vor 10 Jahren quasi aus dem Bauch heraus mit einer Tischlerklasse die Idee eines Messeauftritts umgesetzt, wir waren eine kleine Firma, jeder hatte eine Rolle und wir haben erstmal kräftig gemindmappt, was es da alles zu bedenken und organisieren gibt. Wir konnten alle Fertigkeiten unterbringen, vom Möbelentwurf der Ausstellungsstücke, Entwurf des Firmenlogos, Geschäftsbrief, eMail, Recherchen nach geeigneten Messen im Ausland, Kalkulation der Kosten, Planung des Catering, wir kamen auf immer neue Ideen und alle waren mit Eifer dabei. Man sollte nun denken, es wäre einfach gewesen, Fachkollegen für die Mitarbeit an bestimmten Teilen zu gewinnen … weit gefehlt, wir mussten das dann alles alleine machen, denn …. jetzt kommt der Klassiker unter den Ausreden: es passt grad nicht in den Stoffplan!!!!!!!!!!!!! ( ich unterrichtete in der Klasse nur Englisch und IT)
      Ich hoffe, dass es Verfechter des Projektunterrichts heutzutage damit leichter haben. Aber: auch ohne Unterstützung hat es mit der Klasse einen Riesenspaß gemacht. Mein Rat daher an alle, die eine Idee haben: Mit den Schülern besprechen … und machen!!!!!
      Zum Glück ist deine resolute Stimme im Lande nicht zu überhören 🙂
      Ach ja – das Thema Bewertung gehört zu den schwierigsten Unterfangen in dieser Republik, egal, welches Lermodell man vorstellt, es folgt immer gleich die Frage: wie soll ich das denn dann benoten …. arrrggh….. aber dazu hast du ja auch schon sinnvolle Alternativen aufgezeigt.
      Bin auch mal gespannt, was sich in der 3.Sendung zu diesem Thema herauskristallisiert.

      • Lisa Rosa 16:41 am 16. Mai 2012 Permalink | Antworten

        Hallo Sigi, danke für Dein zustimmendes Feedback! Früher habe ich mich über den Nickname „Rigorosa“ immer gerärgert. Jetzt seh ich: die Resolutheit hat ja offenbar auch ihr Gutes, immerhin wird man gehört 🙂
        Deine Erfahrung, dass das Stoffplan-Exekutieren unhinterfragt zum Hauptinhalt des Lehrerberufs wird, die kenne ich natürlich, v.a. vom Gymnasium. Ich vermute, dass das Zentralabi, das in ganz D im nächsten Schuljahr eingeführt wird, nicht geeignet ist, daran etwas zu ändern, und stattdessen noch zur Verschärfung von Schulverdrossenheit führen wird. Dabei ist gegen zentrale Prüfungen nicht unbedingt etwas einzuwenden. Nur: Wenn eine Stoff-Kanon abgearbeitet werden muss mit bis ins Einzelne vorgeschriebenen Literaturlisten, dann ist das natürlich ein mächtiger Gegenwind gegen die Kultivierung von Projektlernen. Grad war in Hessen ein Deutsch-LK durch die Prüfung gefallen, weil irgendein 19. Jahrhundert-Roman versehentlich nicht im Unterricht behandelt worden war. Achduschreck! Vielleicht habe ich ihn auch nicht gelesen? Dann kann ich ja gar kein Deutsch können? Textverständnis? Professionelles Schreiben? Wissenschaftliches Denken? – Wie komme ich dazu! Wenn ich Effi Briest nicht gelesen habe, muss ich durchs Deutsch-Abitur fallen. Das ist doch Kokolores hoch 10, diese alberne Stoffversessenheit. In Finnland gibt es auch zentrale Abschlussprüfungen. Aber sie würden niemals in Sprachen (Mutter- oder Fremd-) eine bestimmte Belletristik-Lektüre zum Ausgangspunkt nehmen, es sei denn, sie ist kurz und kann in der Prüfung vor Ort gelesen werden – und da dann wahrscheinlich auch zum ersten Mal.

    • m.g. 18:12 am 16. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Ich habe ganz bestimmt nichts gegen Projekte. Sehr geehrte Frau Rosa, erzählen Sie uns was von Projekten wie sie wollen, aber lassen Sie bitte im Kontext ihrer absoluten Verfechtung der Projektarbeit die Mathematik außen vor. Woher haben Sie die Kompetenz über das Lernen von Mathematik zu sprechen?

      • schlind 12:38 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

        @m.g.:

        Dann schauen Sie bitte mal hier vorbei: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/02/Mathe

        Vor allem in den Kommentaren dreht es sich z.T. heftig darum, ob Rechenfertigkeit und Mathematik konkret (also auch z.B. projektartig) oder abstrakt gelernt und gelehrt werden kann und soll – sehr interessant!

    • Kristina Lucius 18:25 am 16. Mai 2012 Permalink | Antworten

      @Sigi: Die allein-Erfahrung habe ich anfangs auch gemacht, doch das Blatt wendet sich schnell, wenn sich die allgemeine Begeisterung herumgesprochen hat. Ich habe inzwischen das Glück, dass ich die Leistungen meiner Schüler nicht mehr bewerten muß, im Gegensatz zu einigen anderen Kollegen.
      @m.g.: Ich habe die Projektarbeit im Fach Mathematik als Beispiel eines Kollegen verstanden. Und mit den Kompetenzen, vor allem den schriftlich bescheinigten, scheint es sich manchmal wie mit der Benotung zu verhalten…

    • m.g. 23:41 am 16. Mai 2012 Permalink | Antworten

      @Kristina Lucius Logisch ist das angesprochene Beispiell ein Beispiel und sicherlich sogar ein interessantes. Mich stört einfach bei Frau Rosa, dass sie die Projektarbeit derart als das Non plus ultra des Lernens darstellt. Egal um welches Fach es sich handelt, egal um was für Schüler es sich handelt, Projektarbeit ist der einzige Weg. Alles Lernen ist Projektarbeit. Das würde ich für mein Fach so nicht stehen lassen wollen. Hier wird Frau Rosa einfach unseriös.

      • Lisa Rosa 11:31 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

        Herr Gieding (m.g.), Sie sind Wissenschaftler, wie ich Ihrem Profil entnehmen kann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der PH Heidelberg. Umso mehr erstaunt es mich, dass Sie von den üblichen Gepflogenheiten einer Diskussion abweichen. Ich meine – zumal von einem Menschen mit einer wissenschaftlichen Haltung – erwarten zu dürfen, dass er zur Sache spricht und Argumente vorbringt, und nicht zur Person, der er unsachliche Vorwürfe macht (nicht kompetent) oder unmoralisches Vorgehen bescheinigt (unseriös).

        In Ihrem ersten Beitrag verwenden Sie den Begriff „Kompetenz“ im Sinne von „Befugnis“, wenn ich Sie recht verstanden habe? Wenn so, dann fragen Sie also danach, ob ich mich zu Mathematik-Didaktikfragen äußern DARF, nicht, ob ich es KANN.
        Selbst, wenn Sie meine Statements ganz unmöglich finden – was Ihr gutes Recht ist – dann ist das für einen Wissenschaftler (und nicht einen Verwaltungsbeamten mit Vorgesetztenfunktion) doch eine erstaunliche Frage.
        Sie haben mich außerdem missverstanden – infwiefern, das hat Kristina Lucius in ihrem Beitrag dankenswerterweise schon geklärt. Ich habe einen Kollegen zitiert – nicht mehr und nicht weniger. Ich wüsste nicht, wofür es da eine Befugnis bräuchte.

        In Ihrem zweiten Beitrag geht es um meine Seriosität.
        Für seriös im Sinne einer wissenschaftlichen Haltung würde ich halten, dass Einwände und Widerspruch entweder zu meinem Projektbegriff gemacht würden. Dann würden wir um die verschiedenen Konzepte von „Projekt“ diskutieren, die es sowohl theoretisch als auch im Alltagsverständnis gibt. Oder Sie nehmen mich beim Wort – also bei meinem Projekt-Begriff – und entgegnen, dass mit meinem Verständnis von Projekt und von Lernen in der Mathematik nicht alle Gegenstände bearbeitbar sind. Dass also mein Konzept nicht mit gewissen empirischen Befunden in Einklang zu bringen ist. Beispielsweise könnten Sie meine Behauptung, dass alles Lernen als Projekt verstanden und dann auch als Projekt organisiert werden kann (das ist eine andere Aussage, als die, die Sie mir in Ihrer Polemik unterstellen), argumentativ beantworten, indem Sie zeigen, inwiefern und wo dies in Ihrer Domäne eben nicht zutrifft …

        Macht zwei Euro fuffzich für Nachhilfe in Diskurskompetenz. 😉

        • Sigi Jakob 11:54 am 17. Mai 2012 Permalink

          Lisa, bei diesem Tarif häte ich auch gerne Nachhilfe bei dir 😉 ….. und ich könnte sie sicher gut gebrauchen!

    • schlind 12:51 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Kleiner Hinweis auf den Artikel von Lisa Lane http://lisahistory.net/wordpress/2012/04/leaving-an-open-online-class/ .

      In der Diskussion schreibt Laura Gibbs den wunderbare Satz „It’s the projects that motivate my students…“

    • cspannagel 13:01 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Hallo zusammen,
      ich versuche der Sache mal eine inhaltliche Wende zu geben. 😉 😉

      Ich argumentiere jetzt aus mathematikdidaktischer Sicht anhang eines Beispiels: Bruchrechnen lernen. Bruchrechnen ist eine verdammt komplexe und schwierige Sache, die eines sehr sorgfältigen Aufbaus adäquater mentaler Vorstellungen bedarf. Hierzu braucht es gut ausgewählte Unterrichtssituationen, in denen diese Vorstellungen sorgsam aufgebaut werden. Und letztlich ist eines wichtig: Üben, üben, üben. Denn: es sind zig Teilprozesse (wie beispielsweise kürzen oder erweitern) notwendig, die ihrerseits beherrscht werden müssen, wenn es zum nächsten Prozess geht (z.B. Addition von Brüchen). Dabei können zig (berühmt-berüchtigte) Fehler gemacht werden, die ihrerseits besprochen gehören (wiederum an sorgfältig ausgewählten Veranschaulichungen). Hierzu bedarf es eines enormen Gespürs und einer hohen didaktischen Kompetenz der Lehrperson.

      Es ist klar: Aus Sicht eines Schülers könnte man nach Lisas Terminologie das Bruchrechnen-Lernen als Erkundungsprojekt auffassen („Ich möchte lernen, wie man mit Brüchen rechnet“). Allerdings ist der Sprung zum Projekt in der Schule, in der dieser Bereich sozusagen aus der Projektarbeit heraus erschlossen wird, kaum vorstellbar – zumindest ist mir kein derartiger Projektansatz fürs Bruchrechnen-Lernen bekannt.

      Dies ist für viele Bereiche im Mathematikunterricht der Fall: Erstrechnen, Wahrscheinlichkeitsrechnung, … für andere ist es schon eher vorstellbar (z.B. geometrische Körper, Sachrechnen, …). Insofern würde ich aus mathematikdidaktischer Perspektive sagen: Mmh, auch wenn jedes Lernen als Projektlernen aufgefasst werden kann, lassen sich vermutlich (!) viele Bereiche nicht in Form von Projekten erschließen – zumindest ist es verdammt riskant (und ich bin normalerweise risikofreudig ;-)).

      • Lisa Rosa 14:21 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

        „Mmh, auch wenn jedes Lernen als Projektlernen aufgefasst werden kann, lassen sich vermutlich (!) viele Bereiche nicht in Form von Projekten erschließen – zumindest ist es verdammt riskant“
        Projektbegriff ist weiter: Das Projekt ist das Dach, der Rahmen. Innerhalb des Projekts (und es gibt viele Projekte – auch in der Wirtschaft – die können und müssen 1 – 3 Jahre dauern; das Projekt, ein Kind groß zu ziehen, z.B. dauert 18 Jahre), gibt es in einzelnen Phasen häufig Schritte, die andere Lernformen enthalten, z.B. Training (Üben) oder mal ein Lehrgang, oder eine Vorlesungsreihe, whatever.
        Ich geb ein Beispiel eines Echtprojekts (durchgeführt), ganz berühmt:
        „Von Null auf 42“ hieß vor Jahren ein erfolgreiches Projekt, wo alle möglichen Leute verschiedenen Alters, die ganz untrainiert , zum Teil sogar fett waren, sich entschlossen, in einem Jahr in der Lage zu sein, den berühmten New York Marathon zu laufen.
        Projektsinn: (für die Veranstalter: die Leute sollen lernen, gesund zu leben / für die Teilnehmer: boah, ich werd Finisher in New York – whatever, jemand Fettes erhoffte sich eine Traumfigur, andere fanden es einfach abgefahren und abenteuerlich. Jeder hatte einen anderen Projektsinn!)
        gemeinsames Ziel: klar. Die Leute wurden zum nächsten angemeldet.

        So naja, man kann den Bericht auch im Netz googlen, ALLE sind den marathon gelaufen. Sie haben alle von schlapp, ungesund, hässlich auf trainiert, gesund, usw. ihr Leben geändert.
        Und klar: die Hauptlernmethode war ein einjähriges nahezu tägliches Lauftraining – was denn sonst! Und dann hatten sie Vorträge und Meetings mit Lehrganssessions, wo sie gesund kochen lernten und und und …
        Das war ein Projekt! Grandios!

        Solche Projekte gibt es übrigens auch in der Pädagogik. Man muss sie kennenlernen, um zu verstehen, was Projekt ist. In HH gibt es eine Schule (Stadtteilschule Winterhude), die machen jedes Jahr 3-wöchige Projekt – solche!
        Und in Sudbury-Schools lernt man genauso das ganze Jahr. Ein Projekt nach dem anderen, mehrere Projekte nebeneinander …

    • m.g. 13:34 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      @Christian Danke, mir fehlt momentan die Zeit. (20. Mai, du weißt was gemeint ist)
      @Lisa Rosa Es ging mir ganz bestimmt nicht um Ihre Person. Es geht mir um diese Absolutheit der verehrung von Methoden im Sinne einer Heilslehre. Wenn das hier von mir polemisch ist, na dann haben Sie mich noch nicht beim Polemisieren erlebt. Vielleicht liegt es daran, dass ich ja wirklich kein Wissenschaftler bin und vor allem auch kein Bildungswissenschaftler sein will. Ich glaube aber, dass ich genug gesunden Menschenverstand habe. Das mit der Kompetenz habe ich nicht als Befugnis verstanden haben wollen: Wenn ich das mal auf mich umdrehe, wäre ich z.B. definitiv nicht kompetent (egal ob befugt oder nicht) irgendwas wirklich Gehaltvolles etwa bezüglich eines Unterrichts in Kunst sagen zu können.
      Apropos Polemik: alte Methode: Schüler sind vor allem auf der Suche danach, was der Lehrer hören möchte, demgegenüber Projektlernen … .
      Wenn das keine Polemik ist! Also bitte, es ist ein Schlag in das Gesicht vieler Lehrer, die sehr engagiert ihrer Tätigkeit nachgehen und mit den alten Methoden mündige junge Persönlichkeiten heranwachsen lassen. Es liegt doch wohl an meiner Lehrerpersönlichkeit, ob ich meine Schüler auf dem Niveau „was will er nur von mir hören“ belasse.
      Wohin soll ich im übrigen die 2,50€ überweisen?

      • Lisa Rosa 14:06 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

        Danke, ich sehe, Sie haben Humor. Also ab zu den Akten mit der Vorwerferei. Aber wie kommen Sie denn auf die Idee mit der Heilslehre? Bloß, weil ich – ich sage es nochmal – formuliere: Alles Lernen kann als Projektlernen verstanden und organisiert werden? Kennen Sie denn meinen Projektbegriff?
        @cspannagel: ich sehe, Du hast auch einen anderen Projektbegriff als ich. Wenn Bruchrechnen angesagt ist, dann ist das als ein Projekt vorstellbar, dass (Ziel: ) alle SchülerInnen der Klasse bis dann und dann (= Zeitrahmen) verstanden haben, was Brüche sind, wie man mit ihnen rechnet und wie sie das Ganze in ihrer Lebenswirklichkeit verwenden können. (nur mal zum Beispiel). Und dann muss natürlich geklärt werden, was und wie zu lernen ist, um dieses Ziel zu erreichen. Die Voraussetzungen müssen erarbeitet werden – das Verständnis für den Bruch-Begriff kann ja nun wirklich aus den Ergebnissen einer Erkundung im Leben (wie die Dreiecke) entwickelt werden. usw.
        Guck dir mal mein letztes Posting an und da die Grafik mit den 7 Phasen eines Projekts: Da fällt dir bestimmt ein, wie Du Deinen Bruchrechnen-Lehrgang umformen könntest in die 7 Phasen. Du hast soviel Fantasie!
        Echt jetzt: Nicht überall, wo Projekt draufsteht, ist auch Projekt drin. Und ebenso gibt es einen Projektbegriff der Allgmeinen Didaktik, der ist viel viel weiter als jeder Alltagsbegriff. Er ist eine große Methodologie, wie man Lernvorhaben und Entwicklungsaufgaben in eine nachhaltige und den Bedingungen des Lernens adäquate Form bringen kann. Dieser Begriff (und sein Konzept) hat nichts mit dem Alltagsverständnis von Projekt zu tun.
        Das Wichtigste für das Projektverständnis nach Dewey (und daher stammt meines:) ist, dass die Lernenden an ihren eigenen Fragen arbeiten. – Ach, das ist ja der vorvorige Blogpost auf shift 😉

        • m.g. 18:06 am 17. Mai 2012 Permalink

          Kenne ich nicht, es scheint aber ein ziemlich abstrakter Begriff des Projektes zu sein. In diesen Sphären frage ich mich immer, ob das Ganze nun wirklich noch einen Bezug zur Realität hat. Aber ich werde mich trotzdem mit beschäftigen. Ansonsten bin ich der Meinung, gesunder Menschenverstand und Spaß und Begeisterung an der Sache sind ausreichend. Dazu vielleicht ein wenig grundlegendes Handwerkszeug. Wir brauchen einfach mehr gute Lehrerpersönlichkeiten (aller Couleur, auch hier macht es die Vielfalt) und weniger abstrakte Theorie (ich bin halt wirklich kein Wissenschaftler und verstehe mich auch eher vergleichsweise als Handwerker). Ansonsten habe ich mal 7 Phasen eines Projektes gegoogelt und folgendes gefunden:
          Die sieben Phasen eines Projektes:
          1. Begeisterung
          2. Verwirrung
          3. Ernüchterung
          4. Suche nach dem Schuldigen
          5. Bestrafung eines Unschuldigen
          6. Auszeichnung eines Nichtbeteiligten
          7. Rückkehr zum altbewährten System
          Aber da sind ja sicher die Projekte entsprechend des umgangssprachlichen Projektbegriffs gemeint.

    • Berta 18:21 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      1. Wenn alles Lernen Projektlernen ist, dann macht der Begriff keinen Sinn. „Projektlernen“ wäre dann ein ähnliches Schicksal beschieden wie dem Begriff „Medium“.

      2. Projektlernen krankt an der „sei spontan!“-Paradoxie: Ein Schüler soll aus eigenem Antrieb lernen, was für ihn bedeutsam ist – gut. Aber das geschieht eben gerade nicht institutionell gerahmt, sondern: Aus eigenem Antrieb oder gar nicht. Jeder versuch, Spontaneität in der Schule zu inszenieren, ist künstlich und zum Scheitern verurteilt. Die Projektlehrer merken das nur nicht, weil Schüler gelernt haben, sich im System zu verstellen.

      3. Projektlernen geht von einem idealisierten Schülerbild aus: Manchmal muss man Schüler dazu zwingen, etwas zu lernen, was sie momentan nicht interessiert. Denn nur so erschließen sie sich eine Wissensbasis, die sie nutzen können, um eigene Interessen auszubilden.

      4. Verzicht auf differenzierende Noten ist ideologischer Bildungssozialismus.

      • m.g. 19:34 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

        Das ist mal herzerfrischend geschrieben. Aber Sie wollen doch wohl nicht wirklich durch Zwang die arme Schülerseele beschädigen?

    • Berta 20:45 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      @m.g.: Oh, natürlich, der böse Zwang. Nein, nein. In Wahrheit läuft es – wir wissen es alle – so: Der Lehrer, pardon: die Lehrkraft ! – betritt die Klasse, in der sich die wissbegierigen Schüler(innen) schon spontan zu interessensgeleiteten, intrinsisch motivierten projektgruppen zusammengeschlossen und erste Lernideen entwickelt haben. Die Lehrkraft ist nur noch Moderator dieser selbstgesteuerten, zielführenden Projektprozesse. Es könnte alles so einfach sein, wenn wir endlich aufhören würden, Lernstoff zu vermitteln und anzunehmen, dass ein 12-jähriger anderes im Sinn hat, als zwischen 8 und 13 Uhr an seiner Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten. Ein Hoch! auf pragmatische Realisten wie Frau Rosa, deren Ideen endlich einmal umgesetzt werden sollten, denn dann würden sich all die bösen, bösen Probleme des Schulwesens von selbst erledigen! Effi Briest? Wozu das denn? Jawoll!

    • Kristina Lucius 21:19 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      @Berta: Was Du beschreibst (Lehrkraft findet zu Beginn der Stunde motivierte Lernende vor usw.), das gibt es doch schon. Denk‘ nur an die freiwilligen Theater- oder Sportgruppen. Und vielleicht liegt es sogar daran, dass in diesen Fächern trotz Lehrplan keine Noten verteilt werden und die Lehrkraft moderieren darf. Was verstehst Du in diesem Zusammenhang unter dem Begriff „ideologischer Bildungssozialismus“?
      Nach meinem Wissen geht „die Schule“ (z. B. im Lehrplan) bereits ohne Projektlernen von einem idealisierten Schülerbild aus (z. B. Deutsch als Muttersprache, bürgerliches und sozial-intaktes Umfeld), weshalb es im realen Schulalltag einfach krachen muß.

    • Berta 21:37 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Ich will mal klarstellen, was mich so enerviert: Frau Rosa bildet – wenn ich richtig gegoogelt habe – Referendare aus. Gibt Ihnen Noten. Entscheidet über ihre berufliche Zukunft. Und vertritt eine didaktische Position die durch und durch ideologisch ist. Und ich wette: Ein Referendar, der nicht auf den „Alles-ist-Projektlernen“-Pfad einschwenkt, wird dafür notenmäßig abgestraft. Extreme ideologisch-didaktische Positionen zu vertreten, ist völlig ok. Wenn man das aber staatlich alimentiert macht, wird es zu einem Problem. Ich kann nur hoffen, dass mich Frau Rosa im Umgang mit ihren Referendaren schlichter Unwissenheit straft.

      • Lisa Rosa 09:20 am 18. Mai 2012 Permalink | Antworten

        Ich gebe keine Noten und beurteile nicht. Ich strafe auch niemanden ab für andere Meinung. Beim nächsten mal gerne: erst fragen, dann die krasse Kante.

    • m.g. 23:03 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Als er in die 6. Klasse ging, lernte ich Kevin kennen. Wir wissen, Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose. Ich lernte Kevin kennen, weil ich mit meinen Studenten (weibliche eingeschlossen) im Schulpraktikum an Kevins Hauptschule war (und bin.) Kevin wurde von seiner überforderten Mutter alleine groß gezogen. (Ich weiß was das bedeutet. Ich war alleinerziehender Vater einer wunderbaren Tochter.) Kevin war ihr ein und alles und ihm mangelte es an nichts, was seine Mutter entsprechend ihrer Möglichkeiten zu kaufen in der Lage war (bzw. auch eigentlich nicht war). Kurz Kevin war intelligent und verzogen, eine üble Mischung. Recht schnell waren die Ärzte dann bereit, Kevin als hyperaktiv zu deklarieren. Damit war Kevin raus aus der Nummer, er konnte nichts dafür. Retalin gab es zunächst noch nicht für Kevin, das folgte erst später. (Heute ist er nach Meinung seiner Umwelt recht gut eingestellt.)

      Wie üblich, unterrichtete ich selbst, um meinen Studenten (weibliche eingeschlossen) konkret zu zeigen, was ich mit täglicher Übung und all diesem normalen Handwerkszeug des Mathelehrers eigentlich meine. Kevin machte es uns nicht leicht. Singenderweise teilte er uns ständig mit, dass Carglass repariert und dazu auch noch austauscht. Mir blieb zunächst nichts übrig, als Kevin (völlig unpädagogisch, ich schäme mich sehr) extrem autoritär zusammenzustauchen und letztendlich Kraft meiner Wassersuppe zu zwingen sich am Unterricht zu beteiligen. Das Ergebnis: Kevin wich mir von nun ab das ganze Praktikum nicht mehr von der Seite. Kevin hatte seit langem eine Rückkopplung bekommen, zwar keine positive aber immerhin eine Reaktion auf sein Verhalten.

      Sie dürfen jetzt die Geschichte weiter schreiben.
      Variante a) Kevins Hauptschule wird aufgelöst und Kevin kommt an eine Art Gesamtschule, in der es keine Noten gibt und alles irgendwie und irgendwo ein Projekt ist, was letztlich auch bedeutet, das jeder macht was er will und keiner macht was er soll aber alle mitmachen. Kevin ist im übrigen gut darin, Schwächere und weniger intelligente um sich zu scharen und zu manipulieren. Kann natürlich sein, dass Kevin, da ja nun alle so hervorragend kollaborierend zusammenarbeiten, sofort geläutert nur noch lernen will. Kann aber auch sein das der/die Lernbegleiter/in Kevin, wie sonst auch üblich, machen lässt wie er will, Hauptsache es wird nicht zu laut. Die armen Schweine, die Kevin drangsaliert, haben selbst Schuld, wir sind ja schließlich im Sinne des selbstverantwortlichen Lernens alle auch selbst dafür zuständig wie man mit uns umgeht.

      Variante b) Kevin bekommt einen Lehrer, der wirklich ein Lehrer ist …

    • Berta 23:24 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Wenn das Konzept von Lisa Rosa nicht in der Schulwirklichkeit so abgrundtief traurig wäre, könnte ich herzlich über Kevin lachen… Schlimmer als jeder Nürnberger Trichter sind ideologische Absolutheitsfantasien a la Lisa Rosa…

      • Lutzland 23:40 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

        ich weiss, wer lisa rosa ist, aber von berta weiss ich nichts. bis auf ziemlich krasse kante. Ob wir mal bildungsreportermässig mit dir skypen können, um mehr über dich und deine position zu erfahren?

    • Berta 23:45 am 17. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Ja, sehr gerne. Aber: Zunächst sollten mal Argumente zählen. Und man sollte die zutiefst ideologische Position von Frau Rosa kritisieren dürfen, auch bzw. gerade weil das „krasse Kante“ bedeutet.

      • Lutz Berger 17:21 am 31. Mai 2012 Permalink | Antworten

        berta, wir haben mehrfach und redlich versucht, dich vor der sendung zu erreichen. leider hast du nicht darauf geantwortet, ebenso wie es nicht möglich war, dein lindenstrassen-pseudonym zu orten. beides ist schade, zumal ich, wenn du lehrerin sein solltest, darauf wette, dass du exakt ein solches verhalten bei deinen schülern anmahnen würdest 😉

    • Sigi Jakob 00:40 am 18. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Also eigentlcih wollte ich mich hier als nicht mehr unterrichtende Lehrerin zurückhalten, aber diese Diskussion( bzw. Polemik) geht mir gegen den Strich. Man kann über alles diskutieren, aber jemand ideologische Verbohrtheit vorzuwerfen, wenn es um Unterrichtsmodelle geht, die zumindest versuchen, verkrustete Strukturen in der Bildung – (und die sind verkrustet, das kann ich aus eigener Erfahrung ganz unideologisch behaupten) aufzubrechen und Lösungswege aufzuzeigen, das ist polemisch. Wir wissen doch alle ganz genau, dass es nicht von heute auf morgen gelingt, alle Schüler zu motivieren, selbstgesteuert zu lernen – zumal sie beim Projektlernen viel mehr „Arbeit“ haben als beim Frontalunterricht. Aber: wenn in ihrer bisherigen Schullaufbahn der Frontalunterricht die Regel war, woher sollen sie dann bitte schön von jetzt auf nachher im Projektlernen erfolgreich und motiviert sein? Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die in der Regel anfängliche Begeisterung bei einigen schnell umschlägt in Ablehnung, weil auch Schüler in den traditionellen Rollen verhaftet sind. Ich hatte mal einen – erwachsenen – Schüler, der mir ins Gesicht sagte, er sehe nicht ein, dass er jetzt die richtigen Übersetzungen für englische Fachbegriffe in ein Kursglossar eintragen solle, ich würde schliesslich dafür bezahlt, ihm etwas beizubringen – worauf er sich entspannt in seinem Stuhl zurücklehnte 😉
      Dazu kommt das gesamte schulische und kollegiale Umfeld, das entscheidend dafür ist, ob eine andere Unterrichtsform mitgetragen wird oder von vornherein mit Spott und Hohn hinter dem Rücken des Kollegen begleitet wird – jawohl, das gibt es alles! Viele Faktoren tragen zum Gelingen oder Scheitern eines Lernmodells bei und es gibt nicht DAS EINZIG RICHTIGE Lernmodell, egal ob Projektlernen oder Frontalunterricht und so wie ich Lisa Rosa bisher kenne, steht sie mit beiden Füssen auf dem Boden und hat den Mut, auch gegen Widerstände und ohne ideologische Hintergedanken, praktikable Modelle auszuprobieren. Vielleicht äussert sich dazu auch mal eine/r ihrer Referendar/innen, das wäre interessant.
      Wichtiger als zu polemisieren, wäre es gemeinsam zu überlegen, wie man denn Schüler wie Kevin wieder am Lernen interessieren und ihm zu Erfolgserlebnissen verhelfen könnte …. da gibt es viel zu tun!

    • martinlindner 00:41 am 18. Mai 2012 Permalink | Antworten

      hier geht eine ganze menge durcheinander, verständlicher weise. es ist sehr verdienstvoll, das konzept „projektlernen“ neu und konkreter zu definieren, wie es in einem workshop in Hamburg demnächst geplant ist.

      : die didaktische perspektive, die reformpädagogische gleichsetzung von projekten mit „hands-on“

      ich selbst unterstütze ja die behauptung, dass alles lernen „projektlernen“ sein könnte und sollte, aber das setzt voraus, dass man einen brauch- und abgrenzbaren begriff von „projekt“ hat.

      hier empfehle ich die auseinandersetzung mit den (neueren, oft aus dem OpenSource-kontext stammenden) konzepten des „Projektmanagement 2.0“ und auch mit dem Projektbegriff des Selbstmanagementsystems „Getting Things Done“. nicht, um das einfach zu übernehmen, aber um daraus einen eigenen begriff zu entwickeln, der für lerner/innen brauchbar sein könnte.

      folgende liste habe ich für mich selbst mal auf einem notizzettel aus mehreren quellen kompiliert und adaptiert. ich stelle sie hier ohne kommentierung hin, auf die gefahr hin, dass sie etwas sperrig wirkt. was das für „projektlernen“ bedeutet, müsste man im einzelnen erst noch überlegen:

      „* Projektziel: Es gibt ein klares Bild davon, was am Ende erreicht sein soll. Ein greifbares Resultat.

      Schwer überschaubar: Es werden mehr als drei Schritte benötigt bzw. es ist unklar, wieviele Schritte benötigt werden.
      Projektzeitraum: Projekte haben ein Ende innerhalb einer überschaubaren Zeit. (Typische Dauer von nicht-institutionellen Projekten: zwischen 3 Tagen und 3 Monaten.)
      Knappheit: Es gibt ein knappes Budget von Zeit, Energie, Geld.
      Machbar: Es gibt (im Prinzip oder vermutlich) eine Reihe von konkreten (physischen, sichtbaren) und prinzipiell machbaren Aktionsschritten, mit denen das Projektziel erreicht werden kann.
      Es gibt kein klares Wissen davon, wie es geht (man muss es erst herausfinden, während man dabei ist). Die einzelnen Schritte sind vorab nicht klar festlegbar.
      Der Prozess selbst erscheint „brüchig“. (Es gibt Kontextwechsel, komplexe Einflüsse und Rückkopplungen, mehrere Leute und Perspektiven, Neuansätze usw.).
      Der Prozess wird ständig modelliert (Entwurf > Probleme > Lösungen, als Einstieg und dann immer neu, auch für Teilschritte).
      Es wird eine Kontinuität über die einzelnen Schritte hinweg angestrebt (Kettenreaktion, Ausrichtung am Ziel).
      Kollaboration: Verschiedene Leute mit verschiedenen Kompetenzen sind involviert. („Solo-Projekte“ sind Sonderfälle.)“

    • lutzland 10:56 am 18. Mai 2012 Permalink | Antworten

      teile der diskussion passen ja bereits perfekt zu unserem dossenheim-zur-kreidezeit-thema vom nächsten donnerstag: noten. und über den punkt von BERTA (siehe oben)

      4. Verzicht auf differenzierende Noten ist ideologischer Bildungssozialismus.

      würde ich liebend gern vor oder noch besser IN der sendung ein skype-interview mit ihr führen, hallo berta, bist du bereit dazu?

    • martinlindner 11:26 am 22. Mai 2012 Permalink | Antworten

      hier auf YouTube ist übrigens eine SchülerInnen-stimme zum „projektlernen“ in der schule-wie-sie-ist (in bayern jedenfalls). Know Your User! http://www.youtube.com/playlist?list=PL6193D84E9ED556DF

    • Kristina Lucius 12:53 am 22. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Danke, Martin, für den Link! Diese Hannah ist ja herrlich ehrlich: „Die Lehrer verstehen nicht, wo das Problem liegt.“ (4/6) Woran das wohl liegen mag? 😉

    • harald 23:00 am 23. Mai 2012 Permalink | Antworten

      als ein ‚Unbedarfter‘, aber die Diskussion trotzdem interessiert ‚Verfolgender‘ möchte ich – ohne den Diskurs erheblich stören zu wollen – ein paar Fragen formulieren, die mir während dieser Diskussion in den Sinn kamen:

      warum ähnelt diese Bildungsdebatte so sehr einer politische Debatte, in der es meist darum geht, eine subjektiv gesehene ‚Möglichkeit‘ als eine objektiv gültige ‚Wahrheit‘ anbieten zu wollen ?

      warum setzen wir also so sehr auf ‚Wahrheiten‘ und nicht eher auf ‚Möglichkeiten‘ ?

      warum können wir nicht Lernwelten bauen, die den Lernende viele facettenreiche ‚Möglichkeiten‘ des Lernens erfahrbar werden lassen ?

      warum setzen wir voraus, das ein Lehrender bzw. ein Bildungswissenschaftler wissen kann, welcher dieser ‚Möglichkeiten‘ ein Lernender unbedingt erfahren sollte ?

      warum kann ein Lernender nicht die ‚Möglichkeiten‘ seines Lernens selbst bestimmen ?

      warum stimmen wir nicht alle darüber ein, dass ein Lehrender nicht für jeden Lernenden bestimmt sein kann ?

      warum glauben wir, dass wir die Lernenden, aber nicht die Lehrenden neu ausrichten müssen ?

      warum richten wir über Lehrende, die Lernen neu denken wollen ?

      Ich weiß nicht, ob ich wirklich gute Antworten auf all diese Fragen hätte.

    • Lutz Berger 17:17 am 31. Mai 2012 Permalink | Antworten

      … aber die fragen sind gut!

  • dunkelmunkel 15:52 am 15. May 2012 Permalink | Antworten
    Tags: flipclass, flippedclassroom,   

    Jürgen Handke über den flipped classroom 

    Jürgen Handke ist einer der populärsten Vertreter des inverted classroom (manche sagten auch flipped classroom) in Deutschland. Er und sein Team haben im März 2012 sogar die erste deutsche Inverted Classroom Conference durchgeführt. Grund genug, der Sache auf den Grund zu gehen… oh, das war jetzt stilistisch schlecht… zweimal „Grund“… aber, Perfektion ist nicht das Ziel, wie Jürgen Handke im Interview erklärt. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Zuschauen!

    By the way: Habt ihr schon einen Blick auf unsere neue Website Dossenheim zur Kreidezeit geworden? Wenn nicht: Dann aber mal schnell!

     
  • dunkelmunkel 15:31 am 13. May 2012 Permalink | Antworten
    Tags: , opco12   

    Jochen Robes über den Open Course 2012 

    Zurzeit (Frühjahr 2012) findet der Open Course 2012 zum Thema „Trends im E-Teaching“ statt. Das dazu passende Hashtag ist jedem Twitterer sicher schon mal untergekommen: #opco12. Einer der Macher des Open Course ist Jochen Robes, der vielen sicher von weiterbildungsblog.de bekannt ist. Die Bildungsreporter sprachen mit ihm über seine Erfahrungen und über die Zukunft des Open Courses.

    Besonders interessant finden wir die Einführung der Badges als „Belohnung“ für erbrachte Leistungen… ein alternatives Modell auch für die Schule? In der nächsten Sendung von Dossenheim zur Kreidezeit am 24. Mai um 20 Uhr werden wir darüber sprechen. Apro-Popo: Wir suchen noch Kurznachrichten für die nächste Sendung!

     
    • Frieder 12:39 am 14. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Hallo Christian,

      habe kürzlich durch die Beiträge der #rp12 gezappt und dabei auch bei Jana (Gophi)´s Beiträgen zu Lernen mit mobilen Endgeräten, Educaching, den Edunauten etc. hängen geblieben.

      Da wir an der PH ja auch die GIS Station haben, wäre es nicht mal ein Themenspecial wert? Da ja der Sommer vor der Tür steht, könnte man dies vielleicht sogar mit Außenbeiträgen, oder einem Sommerspecial draußen kombinieren (muss gerade an die Wetten Dass Exkursionen nach Malle denken…).

      Kreidezeit im Biergarten mit GPS und Co … und auch passend zu dem OPCO Thema Tablets…

      So genug gesponnen, muss mal wieder an meiner Arbeit schreiben.

      • cspannagel 23:32 am 14. Mai 2012 Permalink | Antworten

        Hi Frieder,
        danke für die Anregung! Eine Sendung zum Thema „Digitale Medien“ haben wir natürlich schon auf dem Schirm. 🙂 … man könnte dabei auch mehr in Richtung mobile learning gehen… wir nehmens mit auf die Liste!

    • Athanasios 23:01 am 16. Mai 2012 Permalink | Antworten

      Badges? Ja… die eierlegende Wollmichsau… 😉 Um ein kritisches Wort einzuwerfen: http://www.technologyreview.com/business/39032/ – Gamification ist DER Hype aktuell und Badges passen genau dazu. Langfristig funktionieren die aber meiner bescheidenen Meinung nach nicht – kurzfristig aber sicher durchaus ein zu überlegendes Mittel. Nur: Wie verhindert man, dass die Leute die Badges NICHT mögen, nicht rausfallen? 😉

  • dunkelmunkel 20:08 am 10. May 2012 Permalink | Antworten  

    Dossenheim zur Kreidezeit – die Website ist da! 

    Noch rechtzeitig vor der 3. Sendung „Dossenheim zur Kreidezeit“ haben wir die Website zur Sendung freigeschaltet: http://www.dossenheim-zur-kreidezeit.de

    Zukünftig wird es die Infos zur Sendung dort geben. Ihr solltet also am besten den RSS-Feed der Seite abonnieren! Hier – bei den Bildungsreportern – werden weiterhin wie gewohnt die Skype-Interviews rund ums Thema Bildung veröffentlich. Stay tuned!

    Tja, und den Trailer der 3. Sendung gibts auch schon: Reinschalten! 🙂

     
  • dunkelmunkel 19:09 am 27. April 2012 Permalink | Antworten
    Tags:   

    Aufzeichnung online: Dossenheim die zweite! 

    Die Aufzeichnung der zweiten Sendung von „Dossenheim zur Kreidezeit“ ist nun online abrufbar – das Thema: Lehrerbildung der Zukunft. Was ist ein guter Lehrer? Wie sollte das Lehramtsstudium gestaltet sein? Wie viel Praxis ist notwendig, wie viel Theorie? Und wie machen es die Finnen? All diese Fragen wurden angesprochen und diskutiert: mit den Studierenden Ulysses Hucke, Marco Orth und Janna Spannagel,  mit Prof. Dr. Friedirch Gervé von der PH Heidelberg, mit dem Psychologen auf der Couch Helge Schweizer und mit unseren Gästen aus Finnland Emma Kostiainen und Matti Rautiainen von der Universität in Jyväskylä. Diesmal erstmals dabei: BILL DUNG – Niemand zückt den Rotstift schneller!

    Wer die ganze Sendung sehen möchte: bitte schön!

     

     
  • lutzland 12:11 am 24. April 2012 Permalink | Antworten
    Tags: Bill Dung, Dossenheim zur Kreidezeit, LernZeitRäume   

    Donnerstag einschalten! 

    Diesen Donnerstag, den 26. April um 20 Uhr, ist es wieder so weit: Die Bildungsreporter gehen zum zweiten Mal mit „Dossenheim zur Kreidezeit“ auf Sendung. Mit illustren Gästen, zwei Moderatoren und … sehen Sie selbst! Link zum LIVE-Stream

    Premiere feiert übrigens unser Retro-Bildungsreporter Bill Dung, der Schüler der LernZeitRäume über „Was macht einen guten Lehrer aus?“ befragt hat und darauf eine Menge guter bis genialer Antworten bekam. Hier schon mal ein Screenshot: stay tuned!

     
  • dunkelmunkel 16:29 am 19. April 2012 Permalink | Antworten
    Tags:   

    Interview mit Maria Eirich über die digilern 

    Nachdem wir bereits mit Martin Lindner und Thomas Bernhardt über die digilern gesprochen haben (die Bildungsreporter berichteten), interviewten wir nun die Hauptorganisatorin der Tagung: the one and only Maria Eirich! Das besondere dieser Tagung war: Maria hat sie gemeinsam mit ihren Schülern vorbereitet und durchgeführt. Wir fragten sie: Was sind ihre Erfahrungen? Wie hat sie die Tagung wahrgenommen? Was hat sie persönlich gelernt? Direkt aus Hassfurt zugeschaltet ins Bildungsreporterstudio:

     
  • dunkelmunkel 22:57 am 16. April 2012 Permalink | Antworten  

    Füllers Kritik am Interview mit Otto Herz 

    Die Bildungsreporter wollen nicht „einfach nur“ Interviews führen, sondern selbstverständlich auch zur Diskussion anregen. Bislang wurden die Interviews zwar durchaus wahrgenommen, aber (leider) kaum als Anlass für Diskussionen genutzt (was ja in Blogs durchaus möglich wäre ;-)). Zu einem der letzten Interviews – dem Gespräch mit Otto Herz – aber hat der Journalist und Buchautor Christian Füller äußerst kritische Tweets verfasst. Dies haben wir zum Anlass genommen, ihn um eine kritische Stellungnahme in Form eines Gastbeitrags zu bitten. Hier ist die Antwort von Christian Füller zum Interview mit Otto Herz – verbunden mit der Aufforderung, die unterschiedlichen Positionen zu diskutieren! Was ist eure Meinung?

    Schulische Wolkenkuckucksheime

    Die Interviewserie zum Bildungsbegriff geht dorthin zurück, wo wir nicht mehr hindürfen: Der abstrakten Erörterung eines Bildungsideals – das in deutschen Schulen nie Wirklichkeit wurde

    VON CHRISTIAN FÜLLER

    Nein, dieser Sonntag war kein Vergnügen. Über die Accounts des geschätzten Twitter-Professors Christian Spannagel wurde ein Interview mit Otto HERZlich verbreitet, das zu hören eine wirkliche Pein war. Denn das Gespräch des Bildungsreporters hatte nichts mit den Fragen zu tun, die der deutschen Schule heute auf den Nägeln brennen: Undemokratie und organisierte Verantwortungslosigkeit staatlicher Schulen, Bildungsarmut und tief sitzendes Technologiemisstrauen sowie, am wichtigsten, die seelische Krise der deutschen Schule. Dafür durfte Otto, der persönlich ein überaus sypathischer und gewinnender Mann ist, eine gesprochene Version seines ABC der guten Schule predigen. Was ändert es am Schulwesen? Nichts!

    Es gibt gute Gründe, nicht als erstes über den Bildungsbegriff zu sprechen und es gibt noch wichtigere Gründe, bitte, Otto nicht danach zu fragen.

    Was meine ich?

    1. Diskurse über Bildungsideale sind so alt wie die Deutschen und die Preußen, die sich gern als Kulturnation und Retter des Abendlandes gerierten: Sie huldigten einem so umfassenden ganzheitlichen Bildungsbegriff, dass einem der Kopf vor lauter Utopien schwirrt: Bildung muss den ganzen Menschen erziehen; sie ist zur Persönlichkeitsentwicklung da, soll wissenschaftlich fundiert sein, gerne mit Herz und Hand betrieben werden. Sie soll Urteils-, Berufs- und kritische Denkfähigkeit vermitteln und und und… so lässt sich die Liste der pädagogischen Preziosen von Fichte über Schleiermacher bis Humboldt bis in die heutigen Tage fortsetzen. Allein, was, bitte, hat das elaborierte deutsche Bildungsideal in der Realität genutzt – und wem eigentlich?
      Das lässt sich schnell beantworten: ganz wenig und das nur für ganz wenige. In Preußen kamen ein bis drei Prozent eines Jahrgangs in den Genuss, jene Anstalten besuchen zu dürfen, die sie später in die gesellschaftlichen Führungspersonen schleuderte. Und, nein, das ist keine altbackene Betrachtung, denn die Grundstruktur und -idee des Bildungsunwesens ist seitdem gleich geblieben: Deutschland produziert noch heute, 200 Jahre nach Humboldts Königsberger Schulplan, Quoten an Risikoschülern, die einen an überfüllte preußische Bauernschulen erinnern: Bremen, 39 Prozent Risikoschüler im Gesamtdurchschnitt; Hamburg, Berlin, NRW, Hessen konzentrieren in ihren ehemaligen Hauptschulen bittere Bildungsarmut; auch die stadtinneren Banlieues von Nürnberg und München haben Schulen, die man nicht anders als Fabriken von Dropouts und Bildungsverlierern bezeichnen kann.
      Deutschlands Schulen sind ungerecht und wenig leistungsfähig. Diese Minusbilanz gilt (laut der jüngsten Untersuchung von Wilfried Bos) auch 10 Jahre nach der ersten Pisa Studie – trotz einiger schöner Erfolge, die aber ehrlicherweise vor allem in den gymnasialen Herbergen der Schönen und Reichen erzielt werden.
      Das ist das demokratische Grundproblem der deutschen Schule, und wir lösen es nicht durch eine elitäre bis nichtssagende Begriffsdebatte. Sondern durch einen entschlossenen Kampf gegen Bildungsarmut, zunächst in den rund 3.000 failing schools der Innenstadtbezirke. (Konzepte Link Freitag)
    2. Otto Herz trägt nun wirklich keine Schuld an der Bildungsarmut. Seine Analyse der Situation wird sicher die eine oder andere oben genannte Zahl ebenfalls verwenden. Nur ist die Alternative, die Otto anbietet, inzwischen leider doppelt diskreditiert: Erstens, weil es der Reformpädagogik nicht gelungen ist, eine weitflächige Humanisierung und Verbesserung der Schulen zu erreichen; und zweitens, weil sich die Reformpädagogik nach dem Supergau, den sie auf ihrem Flaggschiff der Odenwaldschule Oberhambach produziert hat, hüten sollte mit der Weitergabe oder gar Lobpreisung von Rezepten. Wohlgemerkt, ich gebe Otto keine persönliche Mitschuld an Hunderten sexuell gedemütigten Kindern und Jugendlichen. Aber ich möchte davor warnen, die reformpädagogischen Tugenden zu bejubeln, mit denen im Odenwald 20 Jahre lang eine trickreiche getarnte Päderastenhochburg betrieben werden konnte.
      Es ist bitter anzuhören, aber wo war denn die von Otto Herz besungene Zivilcourage, als der Schulleiter und Haupttäter Gerold Becker die innerschulische Demokratie der Odenwaldschule ausknipste? Zu den ekelhaftesten Geschichten, die noch zu erzählen sind, gehört jene, was mit den Jugendlichen geschah, die gegen Beckers Päderastie aufbegehrten: Sie wurden von Reformpädagogen eingeschüchtert und relegiert, sie wurden unter Alkohol und Drogen gesetzt, teilweise wurden sie entmündigt. Keine Zivilcourage, nirgends.
      (Das Angebot, die Geschichte der mutigen, vertriebenen Schüler im Rahmen eines Schülerpojektes zu erforschen, wurde seitens der Schule nicht angenommen.)
      Und wie sieht es eigentlich mit der Nähe zum Kind aus, dem zentralen Paradigma, von Ellen Key über Gustav Wyneken bis zu Gerold Becker eifrigst vertreten? Kann man wirklich diese Nähe, die Beziehung und den pädagogischen Eros weiterhin unkritisch predigen als wäre im Odenwald nichts passiert?
      Der Autor ist selbst kein Pädagoge und genauso geschockt wie viele andere über das, was unter dem Deckmantel der Reformpädagogik an Verbrechen alles möglich war. Aber er zieht andere Schlüsse als Otto Herz: Es reicht nicht, die Namen von Hentig, Becker sowie den der Odenwaldschule künftig zu verschweigen – und ansonsten die gleichen alten reformpädagogischen Versatzstücke wie Beziehung, Internatsfamilie oder Ausflug hochzuhalten. Die Reformpädagogik muss auf den Prüfstand. Die vermeintliche Alternative zur seelenlosen Staatsschule hat ihre Unschuld verloren. Sie hat Seelenmord nicht verhindert, wie Ellen Key forderte, sondern ihre prominentesten Vertreter haben Hundertfachen Seelenmord organisiert.
      Das könnten übrigens auch selbsternannte Bildungsreporter wissen – und sich des Instruments der Nachfrage befleißigen, wenn ihnen der liebe Otto von seinen bündisch inspirierten Fahrten berichtet oder, ernsthaft, die reisende Hochschule aus einer vollkommen verwahrlosten Lehrerbildung anbietet. Ottos Begründung, wieso dies nützlich sei, stammt, wie könnte es anders sein, von Goethe: Reisen bildet. Das mag schon sein, nur hilft das nicht wirklich eine Lehrerbildung zu reformieren, die in den kommenden zehn Jahren Ersatz für 300.000 zu pensionierende Lehrer schaffen muss.

    Was ist die Antwort? Reformpädagogische Autoren äußern sich in der Regel sehr pauschal und selten konzeptionell gefestigt. Die Reformpädagogik lässt sich nie auf irgendetwas festlegen, weil alles irgendwie ist. Empirischer Überprüfung halten die Ergebnisse der Reformpädagogen nicht leicht stand. „Die Reformpädagogen vertreten keine Konzepte, sondern Ideologie, deren Versprechen sie nicht einlösen können“, schreibt der Kritiker Salman Ansari. Jean-Pol Martin geht in eine ähnliche Richtung: Er verlangt ein klar umrissenes Menschenbild und ein definiertes Konzept für Pädagogik. In etwa so: „Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, um mit einströmenden Daten gelassen umgehen zu können, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten.”

    Die (Reform-) Pädagogen müssen also aufhören, schulische Wolkenkuckucksheime aufzustellen.

     
    • Der Lehrerfreund 23:24 am 16. April 2012 Permalink | Antworten

      Christian (Füller), grundsätzlich hast du ja absolut Recht. Aber das, was du am deutschen Schulsystem kritisierst, wird zentral von zwei Personengruppen vorangetrieben:
      1) von Politikern, denen der eigene Machterhalt näher liegt als das Wohl der Gesellschaft (das sind fast alle);
      2) von (nicht selbst ernannten) Professoren und Doktoren, die sich dem Fetisch der Empirie beugen und nicht mehr an den individuellen Menschen glauben, sondern an triste Zahlen (die sich dann wieder die o.g. Politiker zunutze machen – gegen signifikante Studienergebnisse gibt es keine Argumentation).

      Deshalb ist es auch mal gut, die Stimme von Leuten zu hören, die sich HERZLICH Gedanken darüber machen, was eine gute Bildung ist. Wenn wir nur noch die (sicherlich sinnvollen) Untersuchungen von Wilfried Bos zu Rate ziehen, werden wir dem Menschen als Individuum nicht mehr gerecht. Und das wäre durchaus fatal.

      (Natürlich ist es auch gut zu hören, dass uns reformpädagogische Gedanken allein nicht aus dem Sumpf ziehen werden, genau so wenig wie Evaluationen und Leistungstests.)

    • Wolfgang Neuhaus 08:15 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich hatte noch keine Zeit, das Video zu sehen, kann aber die Problematik nachvollziehen, weil ich mich auch mit dem Bildungsbegriff und reformpädagogischen Ansätzen herumschlage. Schulen in denen man 600 EUR und mehr pro Monat Schulgeld zahlen muss, sind definitiv keine Lösung für das Problem der Chancenungleichheit. Doch leider ist das ein gemeinsames Merkmal vieler Schulen mit hohem »Bildungsanspruch« wie z.B. den Schulen und Internaten im Umfeld der deutschen Reformpädagogik. Natürlich muss Chancengleichheit ein zentrales Ziel unserer Bildungsinstitutionen sein. Dennoch halte ich es für problematisch, in US-Manier Empirie gegen den Bildungsbegriff zu stellen, aus folgendem Grund:

      Jugendliche mit einem schlechten Leistungsniveau im Sinne der PISA-Studien kommen häufig aus einem sozial problematischen Umfeld, kämpfen mit negativen Migrations-Erfahrungen und haben dennoch Träume, Wünsche und Pozenziale, die in der Regel sehr viel vielfältiger sind, als nur die gleichen Chancen zu haben wie ihre Altersgenossen. Für diese Jugendlichen wäre die Orientierung an irgendwelchen Output-Werten, seien es die Zensuren in der Schule oder die empirischen Ergebnisse diverser Studien viel zu defensiv. Deshalb ist es für mich (als ehemaligem Lehrer) absolut nachvollziehbar, dass Lehrer sich einen Kompass suchen, an dem sie ihr Handeln orientieren. Da Empirie zu Eng ist, um Räume für die Zukunft zu schaffen, halte ich einen ideologiefreien, seiner gesellschaftlichen Funktion beschreibenden Bildungsbegriff im Sinne von Weitergabe, Erneuerung und Potenzialentfaltung wie er z.B. in der Reformpädagogik John Deweys zum Ausdruck kommt für geeignet, hier auszuhelfen. Natürlich muss dieser Bildungsbegriff an die heutigen Bedingungen medialer Transformation angepasst werden. Aber im Grundsatz bin ich der Überzeugung, das die Unterstützung individueller Potenzialentfaltung gerade auch sozial-problematischer Zielgruppen, die nur im Kontext kollektiver Aktivitäten funktioniert, die bessere Perspektive ist, als die Defizit-Behebung entlang der Ergebnisse empirischer Studien. mal so ins unreine gesprochen …

    • jean-pol martin 08:49 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Die allgemeine Pädagogik verführt, wie die Geisteswissenschaften insgesamt, zur Produktion von erfahrungsarmen Visionen. Man muss die erlösungsversprechenden Blasen nicht konkret untermauern. Dafür gibt es auch einen Markt und solange die Abnehmer mit den pathetischen, hochredundanten Gebilden zufrieden sind, wird weiter visioniert. Im realen Schulalltag werden Innovationen im kleinen permanent generiert. Ohne Innovationen geht der normale Hauptschullehrer schnell zugrunde. Nur, dass der Hauptschullehrer keine Zeit hat, um an die Öffentlichkeit zu gehen. Er muss ja jeden Tag unterrichten. Hier könnte man natürlich erwarten, dass der Visionär Alltagsinnovationen aufgreift und bekannt macht, aber das ist nicht sein Job. Er will seinen eigenen Diskurs positionieren. So bezieht er sich immer wieder auf Dewey, ohne wahrzunehmen zu wollen, dass es heute im hier und jetzt Lehrer gibt, wie beispielsweise Erich Hammer: http://www.youtube.com/watch?v=cRxY2jSUahU Hammer bekannt zu machen würde im hier und jetzt vielen Kollegen helfen, ihren Schulalltag glücklicher zu gestalten, aber da ist doch dieser Dewey! Der hat Vorrang. Reinhard Kahl hat begonnen, den Fokus auf die Erich Hammer dieses Landes zu richten. Das tun auch die Bildungsreporter. Den einen oder anderen Visionär werde wir noch verkraften können. Wobei ich selbst mit Schrecken feststellen musste, dass ich selbst in meinem Interview Sprechblase produzierte. Wie gut, dass ich über konkret Erlebtes in der Hinterhand verfüge. Wir brauchen konkrete Innovatione, die im realen Unterricht entstanden und theoretisch begründet sind. Also: weitter so, Ihr lieben Bildungsreporter!

    • BritSyl 10:21 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Schichtsalat
      Der Artikel von Christian Füller zeigt in seiner Konzentration die wesentlichen Problem an deutschen Schulen auf. „Die“ kindorientierte Reformpädagogik als Sahnehäubchen und glücksbringenden Gegenentwurf zur „verstaatlichten“ Top-Down-Segregation gibt es nicht mehr. Es will nicht mehr gelingen Reformpädagogik seit der Odenwaldschule unkritisch zu betrachten. Ein Riss teilt das Ideal.

      Seit durch die UN-BRK das Recht auf gemeinsame Beschulung aller Kinder festgelegt ist, müssen sich Schulen auf den Weg machen ohne auszusondern und somit Bildungsverlierer zu produzieren. Doch das ist teilweise sehr zwiebeln und tränenreich. Da hilft es vor Ort wenig, wenn auf Kongressen Bilder glücklicher Kinder und Pädagogen in der Powerpointpräsentation in der Eins- zu-Eins- Situation zeigen. Diese Ressource an Zeit, Raum und Kraft fehlt noch zu oft. Es gibt eigentlich kein Erkenntnisproblem. Visionen haben Akteure auch- und Schmerzen, wenn man die Potsdamer Studie zur Lehrergesundheit befragt. Denn die Engagiertesten brennen aus. Warum? Den zartenTransfer der Visionen in den Alltag überlagern zu häufig grob geschnittene strukturelle Anteile, an denen man sich die Zähne ausbeißt.

      Jeanpol Martin konkretisiert das Dilemma Die eigentlichen Experten innovieren als „lokale Akteure“ vor Ort. Glücklich der Lehrer/ Lernende / die Lehrerin/Lernende die den Raum bekommt, mit ihren Schülern/Experten und Schülerinnen/Expertinnen gemeinsam „Schulglück“ zu generieren und zu erfahren, weil ein echter Dialog stattfindet, weil sich alle Anwesenden Fragen stellen und mittels vielfältiger Wege, Methoden und Medien die Antworten finden lassen, die neue Fragen aufwerfen.

      Ich bin sehr froh über die neuen Medien, die aktiven Pädagoginnen und Pädagoginnen die Möglichkeit geben sich zu vernetzen, Mut zu machen, wie Schule sich eben von innen verändern kann, ausgehend von Ideen der Menschen, die dort sind. Es ist im Alltag wirklich kaum möglich auf einen der unzähligen Bildungskongresse und Fachtage zu gehen, wo sich die „Fachleute“ tummeln. Es ist wie in einem Schichtsalat: Unten steht das System-Dressing bald bis zum Hals, und Berufs- Visionäre übergießen den gesamten Inhalt mit fluffiger Creme-fraiche durch leichte Sprache. Das neue Format des BarCamps! beim Kongress „Archiv der Zukunft“ in Bregenz 2011 hat mir gezeigt: Es gibt eine kleine Hoffnung! Dort zeigte sich theoretisch fundierte konkrete Praxis.

      Liebe Bildungsreporter: Mischt den Salat! Lasst die Akteure sprechen! Fragt auch die Kinder!

    • Lisa Rosa 14:43 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich gebe Christian Füller Recht. Die deutsche „Reformpädagogik“ gibt es als Kehrseite der Medaille seit es die Einführung der allgemeinen Pflichtschule in Preußen gibt. (Weil auf der Stelle klar wurde, dass die Humboldtschen Bildungs-Ideale mit der Schul-Realität nichts zu tun hatten.) Und die deutsche „Reformpädagogik“ ist nicht nur durch den „pädagogischen Eros“ und seine schlimmen Folgen desavouiert, sondern auch dadurch, dass sie eben die idealistische Wunschseite für die materialistische Realseite der Medaille „deutsche Pädagogik“ war und ist. Ob man nun mit dem Maslovschen Sozialtechnologie-Modell der 60er jahre (Menschenbild JP Martin) auf die Überwindung dieser unsäglichen Dichotomie (entweder Bildung oder Pauken) kommt, wage ich zu bezweifeln. Aber dass es um einen der Gegenwart und Zukunft angemessenen neuen Lern- und Wissensbegriff geht, ist ganz sicher. Diesen neuen Begriff (Konzeptvorstellung) braucht den Begriff Bildung nicht. Er kann historisiert werden bzw. „Bildung“ einfach als das Ergebnis von Lernprozessen angesehen werden, dann gibt es eben im Konkreten mehr oder weniger davon. (vgl. meinen Text „Ein Bildungskanon für die glokale Welt?“ in „Bildungskanon heute“ http://library.fes.de/pdf-files/studienfoerderung/08990.pdf Seite 73-79).
      Wichtig ist zu bemerken, dass nur da wirklich gelernt werden kann, wo ein persönlicher Sinnbezug möglich ist. Das verlangt ein selbstbestimmtes und personalisiertes Lernen. Denn von den dropouts und schlecht „gebildeten“ Lernern aus den „Risiko“-Schulen weiß man, dass sie nicht deswegen so schlecht lernen, weil sie blöd sind, sondern, weil sie – und das häufig zurecht! – keinen Sinn in dem sehen können, was sie lernen sollen. Und weil sie wissen, dass die Ansage „Bildung macht erfolgreich“ bullshit ist.
      Viel ist v.a. aus der außerschulischen Jugendbildung zu lernen, da wo sie freiwillige Projekte unter Mitbestimmung der Jugendlichen erfolgreich macht. Das könnte z.B. Vorbild für „guten Unterricht“ auch in der Schule sein. (Aber die außerschulische Jugendarbeit wird in HH gekürzt und die Schulen schauen darauf herunter.)

    • Sabine 19:59 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Man darf auch mal Ideale und Visionen hochhalten, selbst wenn die reale Welt häufig anders ist. Das Interview mit Herrn Herz ist grundsympathisch! Manchmal geht es eben auch nur um die kleinen Erfolge und die lassen sich nur erzielen, wenn man visionär denkt und fühlt. Wer immer nur meckert, kommt genau so wenig voran, als wer immer nur Idealisiert. Die Mischung der Diskrepanzen Vision und Realitätseinsicht und das was daraus entsteht, macht den kreativen Menschen aus, dem es gelingt die Welt ein Stück weit zur Weiterentwicklung zu bringen.

    • B.Mat 21:24 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Die kindorientierte oder kindzentrierte Ansatz ist fester Bestandteil und Grundlage in nahezu jedem pädagogischem Konzept von Kindergärten und Schulen in Deutschland. Sie arbeiten situativ und/oder situationsorientiert. Es mag Ausnahmen geben, die Bildungslandschaft ist vielfältig, aber funktional arbeitet keiner der großen Träger mehr. Die Reformpädagogik ist keine Vision sondern gelebte Pädagogik. Wäre dem nicht so, müssten wir zurück zu autoritären Strukturen. Alles, was sich in der Pädagogik seit 200 Jahren verändert hat, ist Reformpädagogik.

    • m.g. 21:54 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Die Strukturen der Gesellschaft sind autoritär. Mittlerweile zwar ziemlich subtil autoritär aber doch um so mehr autoritär. Eine Insel der Glückseligen für die Zeit der Kindheit zu schaffen, ist ein Verbrechen an den Kindern und keine Vorbereitung aufs Leben. Trotzdem finde ich die Haltung von Herz gut. Seine Idee von Bildung mag eine Vision sein, sie könnte aber auch die meine sein. Es bedarf nicht unbedingt der Reformpädagogik um die Vision umzusetzen.

    • cspannagel 22:32 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich finde die Diskussion ausgesprochen spannend und lerne gerade selbst sehr viel dadurch. Ich finde die Punkte, die Christian Füller anspricht, wichtig: Chancenungleichheit, die Vorfälle an der Odenwaldschule, … – all das muss diskutiert, angesprochen, vorgehalten werden dürfen. Dennoch sollte man aber über Visionen reden und mit Visionären sprechen dürfen. Sollen wir aufgrund der herrschenden Schwierigkeiten im Bildungssystem aufhören, uns über den Bildungsbegriff auszutauschen? Ich finde nicht. Wichtig ist, dass wir nicht nur (!) über den Bildungsbegriff plauschen, während noch ganz andere Dinge Probleme bereiten. Aber lassen würd ich’s ungern wollen. Auch die Diskussionen, die daraus entstehen, können hochspannend sein – wie diese hier.
      Danke auch an Jean-Pol und BritSyl für den Hinweis, auf eine gute Mischung bei den Interviews zu achten: Das werden wir!

    • Wolfgang Neuhaus 22:37 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich lege keinen Wert auf den Begriff Reformpädagogik. Und habe zum Glück mit so Leuten wie Becker und von Hentig nie etwas am Hut gehabt. Ich halte es für sinnvoll, den Begriff Bildung im Sinne von Entwicklung und permanenter Innovation zu verstehen und nicht als etwas, dass man jemandem als Eigenschaft ankleben kann. Also sollten wir vielleicht besser von Innovationspädagogik sprechen. Trotzdem lassen sich bei einer solchen Denke historische Bezüge zur Reformpädagogik nicht übersehen.

    • jean-pol martin 06:12 am 18. April 2012 Permalink | Antworten

      @BritSyl Danke für deinen Text!

      „Berufs- Visionäre übergießen den gesamten Inhalt mit fluffiger Creme-fraiche“

      und
      „Visionen haben Akteure auch-“
      Die Visionen der Berufsvisionäre verhindern einen freine Blick auf die Visionen der Akteure…

    • Bernd Weber 15:32 am 18. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich finde die Diskussion die hier geführt wird sehr interessant. Sie verrät viel über unser Bildungskonzept, zeigt auch unterschiedliche Richtungen auf.
      Aber ich möchte diese Diskussion einmal aus dem „akademischen“ Bereich herausführen und in meine alltägliche Realität bringen.
      Ich arbeite seit einigen Jahren in der Begabungs- und Potenzialfindung mit Kindern und Jugendlichen aller Schularten. Ich möchte sagen, dass bei jedem einzelnen Fähigkeiten und Potenziale zu finden sind, auch dass man sie zur persönlichen Entwicklung zugänglich machen kann. Aber solange man in der Schule nicht in der Lage ist, einen den Fähigkeiten entsprechenden Unterricht zu gestalten, trägt das mehr zu Frustration und Unzufriedenheit bei, als zur Weiterentwicklung.
      Auch habe ich leider feststellen müssen, dass nur eine zu geringe Anzahl an Lehrkräften bereit ist Zeit für entsprechende Fort- oder Weiterbildungen zu investieren. Alle reden von Inklusion, aber diese Inklusion bedeutet auch auf individuelle Fähigkeiten einzugehen, das starre Bildungskonzept zu verlassen. Dazu gehört auch der Mut die entsprechenden Veränderungen einzuleiten.
      Jeder Einzelne der dazu beiträgt ist wertvoll. So beginne ich jetzt in NRW an einer Hauptschule ein Klassenprojekt. Wir untersuchen das Potenzial einer 5. Klasse, die also gerade ihre Hauptschullaufbahn beginnt. Ziel ist es herauszufinden, welche Stärken vorhanden sind, welche Fähigkeiten gefördert werden können. Den Kindern sollen damit Perspektiven aufgezeigt werden, sie sollen bemerken, dass man Wert auf ihre persönlichen Stärken legt, sie pädagogisch unterstützen möchte. Außerdem soll die Klassengemeinschaft gefördert werden, dazu gehört auch die Ausbildung und Förderung der sozialen Kompetenzen.
      Diese Klasse wird über eine längere Zeit in speziellen Workshops gefördert werden, ebenso die Lehrer, Betreuer und Eltern. Dies wird ein Pilotprojekt sein, welches nur durch das Engagement der Lehrerschaft und des gemeinnützigen Vereins Talentino e.V. möglich werden konnte.
      Es gibt sie also, die Veränderungswilligen.

    • m.g. 16:56 am 18. April 2012 Permalink | Antworten

      Wie um Himmels Willen soll denn Inklusion gelingen, wenn die Gesellschaft ihre Mitglieder selektiert und ghettoisiert? Inklusion in Berlin Neukölln? Welcher Inklusionsbeführworter schickt seine eigenen Kinder in die Schulen von Problembezirken damit sie gelingt, die Inklusion? Wenn Inklusion dann konsequent: Eine Schule für alle. Und dann bitte auch keine Ausnahme für Kinder von Professoren, die ihr Kind lieber auf ein Privatgymnasium schicken.

    • Jörg Thelenberg 21:52 am 18. April 2012 Permalink | Antworten

      @BritSyl Vielen Dank für deine Zeilen über Berufsvisionäre.

      Ich komme aus der Systembetreuer-Schiene (165 PCs an der Schule), aber wenn ich nebenbei mal Zeit habe, über Unterricht nachzudenken, versuche ich dort – z.T. mit ein paar gleichgesinnten Kollegen im Kleinen funktionierende, eklektische Verbesserung im täglichen Unterricht zu errreichen. Der ist wohl eine sehr unvisionäre, aber pragmatische Mischung aus Frontal-analog Unterricht, Wiki- und Blog Arbeit in Gruppen- oder gar Projektform, und seit neuerem die Demokratisierung des Beamers durch zunächst einen weitergereichten TabletPC, der per WLAN an den Beamer angebunden ist.
      Was mir als Systembetreuer und als Lehrer, der eben im Kleinen an kleinen Lösungen bastelt, am meisten auf den Nerv geht und vile Arbeit macht, sind viele der Visionäre an meiner Schule und in der Netzgemeinde.

      Sie haben ständig Ideen (ja, die sind wichtig), die sie z.B. dem Systembetreuer als Maximalforderung vorlegen. Für die Realisierung, den Pilotversuch, oder eine Evaluation, die den Namen verdient, sind sie nicht zuständig – sie basteln schon an der nächsten Vision. Das bringt oft leider mehr Unruhe, Chaos und Frust bei denen, die dann die Visionen umsetzen sollen, als belegbare Ergebnisse.

      Den Sachaufwandsträger verschrecken die SupüerVisionäre durch finanzielle Maximalforderungen und gelinde gesagt, z.T unbewiesene, unbelegte Vorstellungen auch (Visionen eben!) in Sachen technischer Ausstattung usw. Damit richten sie oft mehrfachen Schaden an:
      Es werden für Visionen (und viele erweisen sich halt auch mal als Irrwege) z.T. erhebliche Summen ausgegeben, die für Anderes an der Schule auch wichtig gewesen wären. Da werden übereilt im Klassensatz Noteooks gekauft, aber ein technisches oder didaktisches Konzept gibt es noch nicht …. Wartung usw. ist nicht geklärt … usw. Es gibt Probleme bei der Umsetzung, und gerade die engagiertesten Kollegen, vom Visionär dazu animiert, hängen in eijner problematischen, irgenwann abgebrochenen versuchsweisen Umsetzung der Vision fest und werden verschlissen.
      Der Elternbeirat oder die Stadt zahlt gerne, denn Visionäre verstehen zu begeistern und gewinnen. Aber: Der Etat ist begrenzt … und was für die Vision ausgegeben wurde, fehlt anderswo. Der Visionär sagt dazu beschwörend: „Ja, hier darf nicht gespart werden, wir brauchen beides – die Notebooks und das Geld für die anderen wichtigen Dinge!“ Das klingt heldenhaft kämpferisch ….. ist aber realitätsfern. Die Geldmittel im Bildungsbereich sind in Jahresetats aufgeteilt und begrenzt (je nach Sachaufwandsträger mehr oder weniger). Der Visionär bindet also z.T. erhebliche Mittel, die anderswo fehlen. scheitert die Vision (ja, klar, das passiert halt …) ist das Geld futsch ….
      Sachaufwandsträger und selbst gutmeinende Lokalpolitiker und Gönner laufen den Visionäre gerne nach: Das gibt schöne Schlagzeilen, das klingt modern, innovativ …. ist aber großteils eben eine Vision – mithin eine sehr optimische (Wunsch)vorstellung …. Aber der schnell weiterziehende, rosa Zukunftsvisionen malende Visionär ist oft schon wieder bei der nächsten Vision … postuliert diese im Namen der Schule …. Irgendwann wirft man der Schule vor, sie wolle ständig neue, teure Ideen umsetzen, was denn aus der letzten (teuren) Vision geworden sei, ob die nichts tauge, da man nun schon wieder etwas anderes wolle.

      Kurzum: Visionäre sind in meiner Erfahrung vor Ort oft eher ein Problem, weil sie wie die sich jagenden Reformen und Reförmchen an den Schulen die viele Arbeit der Umsetzung, die Bitternis von selbstverständlich auch scheiternden Versuchen, finanzielle Fehlgewichtingen und Ausgaben hinterlassen – ein Chaos, Frust, Abnutzung, Rformmüdigkeit.

      Die einzigen Visionäre, die das nicht tun, und vor denen ich Hochachtung habe, sind die, die ihre Visionen auch im Kleinen, an einer Schule, im Klassenzimmer in der Versuchs-, Alltags und Evaluationsphase mit Umsetzen und nicht als freischwebende Funktionäre des WEB3.0, auf Kongressen und in Blogs Visionen herausspulen, ohne jede Aussage und realistische Planung dazu wie man die, die das umsetzen sollen, technische Entwicklung, Didaktik und Methodik, Urheberrechtsprobleme und begrenzte Finanzen zusammenbringt um etwas zu erreichen.

      Helmut Schmidts „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“ ist lustig, aber selbst mir zu extrem.

      Gerhard Wolfs „Visionen ohne Aktionen sind Halluzinationen.“ ist da schon fairer, und nahezu ideal wenn man es mit Hilmar Koppers „Visionen brauchen Fahrpläne.“ kombiniert.

      Grüße

      Jörg (der auch Visionen hat, nur kleinere, lokal umsetzbare ….)

    • m.g. 11:21 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

      @Jörg Thelenberg Die Leute, die Du beschreibst sind keine Visionäre, sondern Meister der Selbstinszenierung: „Schau mal was ich schon wieder Schlaues über die neuen Techniken weiß.“
      Letztendlich wissen sie aber gar nichts und plappern nur irgendwelche Parolen nach, die sie im Internet aufgeschnappt haben. Da werden dann Potentiale in die „neuen Medien“ interpretiert, die diese nie haben werden. Wenn man dann wirklich etwas umsetzen möchte ist kein Geld mehr da, weil die E-Learning-Visionäre es sinnlos zum Fenster raus geschmissen haben. Merke: Es ist vor allem der innovativ, der viel Geld ausgibt.

    • ciffi 19:18 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

      @dunkelmunkel – klar muss man über Visionen sprechen; aber, wieso bitte, ist Otto Herz ein visionär?! hallo. er präsentiert einen bildungsbegriff aus der Jugendbewegung, das ist 100 Jahre her. Leute! wieso holt ihr euch nicht die Leiterin der kleinen kiel Straße, wieso nicht die Rektoren der Geschwister-scholl-schule in hindelang, wieso nicht die powerchefin der berliner heinz-brandt-schule; ich fürchte: ihr kennt diese Leute gar nicht, deswegen müsst ihr den weiten weg zurück zur Jugendgruppe von Otto radeln.
      wichtig! holt euch den Jens großpietsch, das ist der beste pragma-visionär, den ich kenne; mit Anknüpfung an die besten Leute der reformpädagogik

      @B.Mat ne, reformpädagogik ist spezieller definiert als „Reform“; sie stammt aus der Jugendbewegung und sie trägt einen gemeinschaftsbegriff, der anti-demokratisch und anti-zivilisatorisch ist – von steiner über lietz und geheeb bis petersen und montessori; auch ellen key. die reformpädagogen haben derart viele Leichen im Keller, dass einem schlecht wird. das heißt nicht, dass man alles wegwefen muss, aber dieser blinde hentig-et-al-gehorsam, führt direkt ins abseits. das wichtigste Beispiel: was heißt Beziehung im pädagogischen setting? was hat das mit pädagogischem eros noch zu tun? wieso könnt hentig noch 2010 noch vom scheuen Gott der Zärtlichkeit predigen, ohne ausgebuht zu werden? das sind die fragen, die weh tun.

      @britsyl hat es zauberhaft zusammengefasst; mit meinen Worten, böser gesagt: wir stehen vor einer schweren seelischen Krise der schule: die kalte beziehungslose Staatsschuld; und die schwülstige bis übergriffige reformschule odenwälrder Typs; und leider leider, eine ganze generation alter fahrensleute von herz bis kahl, von ilsemann bis brügelmann, die sich weigern zu kapieren, was eigentlich passiert ist.

    • Jens Großpietsch 21:02 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

      Auch wenn ich nicht in allen Punkten der Kritik von Füller an „der“ Reformpädagogik folge, so hat er am Schluss doch eine richtungsweisende Formulierung gefunden, was ein Konzept von Pädagogik heute sein könnte: „Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, um mit einströmenden Daten gelassen umgehen zu können, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten.”
      Pädagogen heute sollten schon schauen, was aus der Geschichte der Pädagogik zu lernen ist – Z.B. vom Bund der entschiedenen Schulreformer. Leider fehlt die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Strömungen der Reformpädagogik weitgehend ( auch unter „den“ Reformpädagogen).
      Für die Schule an der ich arbeite gilt unter anderem ein Leitspruch eines Reformpädagogen, der heute kaum in der Diskussion ist: „Möglichst hohe Forderungen an den Menschen, gleichzeitig aber auch möglichst hohe Achtung vor ihm. … Von einem Menschen, den wir nicht achten, können wir nicht das Höchste verlangen.“ Hier wird von Achtung gesprochen ( und nicht von Nähe oder gar Liebe)- an Achtung – daran fehlt es mir leider an vielen Schulen.

    • m.g. 22:57 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

      „Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten … “
      Ok, ich tue mich mit ein paar Ganoven zusammen und wir erstellen gemeinsam ein Konzept für einen Banküberfall. Mit den einströmenden Daten des Martinshorns, das das Anrückens der Polizei übermittelt, gehen wir dann ganz gelassen um.
      Selten soviel Blödsinn gelesen. Es reicht einfach nicht aus, Informatik und Naturwissenschaften halbpopulärwissenschaftlich zu verstehen, und dann auf die Pädagogik zu übertragen.
      Vielleicht ein bißchen Futter aus der Informatikecke?
      In der Informatik ist es nicht möglich, den Begriff des Algorithmus wirklich zu definieren. Ein intuitiver Algorithmusbegriff reicht letztlich aus. Vielleicht gilt das analog für den Begriff der Bildung bzgl. der Pädagogik?

    • jean-pol martin 08:42 am 20. April 2012 Permalink | Antworten

    • NL 10:57 am 23. April 2012 Permalink | Antworten

      Fragt doch mal bei den Betroffenen nach, sprich bei den Schülern und Eltern !

      Fragt alle die durch unser staatliches Schulsystem geschoben werden, sei es mit Unterstützung durch Nachhilfelehrer oder wie in fast allen Familien üblich durch Hausaufgabentreuung durch die Eltern.
      Fragt nach den ständigen Auseinandersetzungen wenn es um Hausaufgaben und Klassenarbeiten geht um Dinge die jetzt eben zu lernen sind, weil es eben so im Plan steht und für alle 28 Schüler im gleichen Tempo vermittelt und abgehakt werden müssen,egal ob es interessiert oder nicht.

      Fragt nach bei den Psychologen (Selbstbewusstsein ?, Antriebslosigkeit? Schulangst ?)
      Fragt nach bei den Kinderärzten (speziell nach Kopfschmerz im Kinder und Jugendalter )
      Fragt die Lehrer an staatlichen Schulen – wer begeisert seine Schüler und kann zum Lernen motivieren-nur der sollte sich übrigens auch Lehrer nennen !

      Fragt nach wieviel von den Präsentationen der Schüler in Abend und Nachtarbeit von den Eltern fertiggestellt werden und fragt euch dann auch wer oder was so letztendlich in unserem ach so tollen Staatlichen Schulsystem benotet wird.
      Es sind meist Mütter manchmal auch Väter, die häufig völlig entnervt diesen Job zu Hause viele Jahre lang machen und so selbst nur Teilzeit arbeiten- wenn überhaupt !Gut dran ist man wenn man sich für maximal 2 Kinder entschieden hat-in möglichst großem Abstand, denn sonst ist dies kaum zu leisten.

      Zu dem Thema sexueller Mißbrauch kann ich nur sagen, schaut euch die Kirchen an und schaut euch Heime und Internate allgemein an – es braucht dazu keine Reformpädagogik !

    • Jens Großpietsch 20:16 am 23. April 2012 Permalink | Antworten

      @m.g. für die Planung eines Banküberfalls – keine so schlechte Idee.
      Ernsthaft: Pädagogik ist nicht beliebig. Was in einer Schule geschieht, sollte auf der Grundlage eines Menschenbildes, z. B. wie es der Verbund der entschiedenen Schulreformer hatte, gemeinsam mit den Beteiligten beschlossen werden. So verstehe ich in Kurzform den Vorschlag von ciftci.
      Wer will kann ihn auch als Anleitung für das Bauen von Legohäuschen nehmen…

    • Lutz Berger 08:04 am 25. April 2012 Permalink | Antworten

      aufmerksam habe ich vor ein paar wochen die tweets von christian füller über das interview mit otto herz verfolgt und ihn daraufhin um ein skype-interview gebeten. das mündete schliesslich in obigem blogbeitrag.

      ein wort darin ist mir besonders aufgefallen, aufgestossen: „selbsternannt“. christian und ich als „selbsternannte bildungsreporter“. dazu ein aktuelles zitat aus SPON, von sascha lobo über den „Aufstand der Selbsternannten“:

      „… ein entlarvendes Wörtchen aus dem Brief der „Tatort“-Autoren findet sich in dem Satz: „Die vermutlich gravierendste Lebenslüge der selbsternannten Problemlöser…“ Gibt es überhaupt ein Wort, das mehr Obrigkeitshörigkeit und Hierarchieunterwerfung ausdrückt als „selbsternannt“, wenn man es abfällig verwendet? Wenn man die Selbsternennung als etwas Schlechtes ansieht – ist man dann nicht dazu verdammt, auf die Ernennung durch den Vorgesetzten, hierarchisch Berechtigten zu warten oder auch gleich auf Godot?“

      gute frage!

    • cspannagel 14:16 am 25. April 2012 Permalink | Antworten

      @ciffi Vielen Dank für die Hinweise auf weitere potenzielle Interview-Partner! Wir versuchen, eine große Vielfalt bei unseren Gesprächen umzusetzen (unser heimliches Ziel: Wir wollen ALLE! :-)), insofern sind wir immer dankbar für Vorschläge von Personen, die wir selbst nicht kennen. Und, ich finde es ehrlich gesagt nicht besonders tragisch, dass wir von vorneherein nicht alle möglichen Vormacher und Vordenker im Bildungsbereich kennen. Dafür haben wir ja euch! 🙂

      Zu den Visionen: Die Tatsache, dass Visionen (vermeintlich) alt sind, bedeutet nicht, dass sie schlecht sind. 😉

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