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  • dunkelmunkel 19:09 am 27. April 2012 Permalink | Antworten
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    Aufzeichnung online: Dossenheim die zweite! 

    Die Aufzeichnung der zweiten Sendung von „Dossenheim zur Kreidezeit“ ist nun online abrufbar – das Thema: Lehrerbildung der Zukunft. Was ist ein guter Lehrer? Wie sollte das Lehramtsstudium gestaltet sein? Wie viel Praxis ist notwendig, wie viel Theorie? Und wie machen es die Finnen? All diese Fragen wurden angesprochen und diskutiert: mit den Studierenden Ulysses Hucke, Marco Orth und Janna Spannagel,  mit Prof. Dr. Friedirch Gervé von der PH Heidelberg, mit dem Psychologen auf der Couch Helge Schweizer und mit unseren Gästen aus Finnland Emma Kostiainen und Matti Rautiainen von der Universität in Jyväskylä. Diesmal erstmals dabei: BILL DUNG – Niemand zückt den Rotstift schneller!

    Wer die ganze Sendung sehen möchte: bitte schön!

     

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  • lutzland 12:11 am 24. April 2012 Permalink | Antworten
    Tags: Bill Dung, Dossenheim zur Kreidezeit, LernZeitRäume   

    Donnerstag einschalten! 

    Diesen Donnerstag, den 26. April um 20 Uhr, ist es wieder so weit: Die Bildungsreporter gehen zum zweiten Mal mit „Dossenheim zur Kreidezeit“ auf Sendung. Mit illustren Gästen, zwei Moderatoren und … sehen Sie selbst! Link zum LIVE-Stream

    Premiere feiert übrigens unser Retro-Bildungsreporter Bill Dung, der Schüler der LernZeitRäume über „Was macht einen guten Lehrer aus?“ befragt hat und darauf eine Menge guter bis genialer Antworten bekam. Hier schon mal ein Screenshot: stay tuned!

     
  • dunkelmunkel 16:29 am 19. April 2012 Permalink | Antworten
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    Interview mit Maria Eirich über die digilern 

    Nachdem wir bereits mit Martin Lindner und Thomas Bernhardt über die digilern gesprochen haben (die Bildungsreporter berichteten), interviewten wir nun die Hauptorganisatorin der Tagung: the one and only Maria Eirich! Das besondere dieser Tagung war: Maria hat sie gemeinsam mit ihren Schülern vorbereitet und durchgeführt. Wir fragten sie: Was sind ihre Erfahrungen? Wie hat sie die Tagung wahrgenommen? Was hat sie persönlich gelernt? Direkt aus Hassfurt zugeschaltet ins Bildungsreporterstudio:

     
  • dunkelmunkel 22:57 am 16. April 2012 Permalink | Antworten  

    Füllers Kritik am Interview mit Otto Herz 

    Die Bildungsreporter wollen nicht „einfach nur“ Interviews führen, sondern selbstverständlich auch zur Diskussion anregen. Bislang wurden die Interviews zwar durchaus wahrgenommen, aber (leider) kaum als Anlass für Diskussionen genutzt (was ja in Blogs durchaus möglich wäre ;-)). Zu einem der letzten Interviews – dem Gespräch mit Otto Herz – aber hat der Journalist und Buchautor Christian Füller äußerst kritische Tweets verfasst. Dies haben wir zum Anlass genommen, ihn um eine kritische Stellungnahme in Form eines Gastbeitrags zu bitten. Hier ist die Antwort von Christian Füller zum Interview mit Otto Herz – verbunden mit der Aufforderung, die unterschiedlichen Positionen zu diskutieren! Was ist eure Meinung?

    Schulische Wolkenkuckucksheime

    Die Interviewserie zum Bildungsbegriff geht dorthin zurück, wo wir nicht mehr hindürfen: Der abstrakten Erörterung eines Bildungsideals – das in deutschen Schulen nie Wirklichkeit wurde

    VON CHRISTIAN FÜLLER

    Nein, dieser Sonntag war kein Vergnügen. Über die Accounts des geschätzten Twitter-Professors Christian Spannagel wurde ein Interview mit Otto HERZlich verbreitet, das zu hören eine wirkliche Pein war. Denn das Gespräch des Bildungsreporters hatte nichts mit den Fragen zu tun, die der deutschen Schule heute auf den Nägeln brennen: Undemokratie und organisierte Verantwortungslosigkeit staatlicher Schulen, Bildungsarmut und tief sitzendes Technologiemisstrauen sowie, am wichtigsten, die seelische Krise der deutschen Schule. Dafür durfte Otto, der persönlich ein überaus sypathischer und gewinnender Mann ist, eine gesprochene Version seines ABC der guten Schule predigen. Was ändert es am Schulwesen? Nichts!

    Es gibt gute Gründe, nicht als erstes über den Bildungsbegriff zu sprechen und es gibt noch wichtigere Gründe, bitte, Otto nicht danach zu fragen.

    Was meine ich?

    1. Diskurse über Bildungsideale sind so alt wie die Deutschen und die Preußen, die sich gern als Kulturnation und Retter des Abendlandes gerierten: Sie huldigten einem so umfassenden ganzheitlichen Bildungsbegriff, dass einem der Kopf vor lauter Utopien schwirrt: Bildung muss den ganzen Menschen erziehen; sie ist zur Persönlichkeitsentwicklung da, soll wissenschaftlich fundiert sein, gerne mit Herz und Hand betrieben werden. Sie soll Urteils-, Berufs- und kritische Denkfähigkeit vermitteln und und und… so lässt sich die Liste der pädagogischen Preziosen von Fichte über Schleiermacher bis Humboldt bis in die heutigen Tage fortsetzen. Allein, was, bitte, hat das elaborierte deutsche Bildungsideal in der Realität genutzt – und wem eigentlich?
      Das lässt sich schnell beantworten: ganz wenig und das nur für ganz wenige. In Preußen kamen ein bis drei Prozent eines Jahrgangs in den Genuss, jene Anstalten besuchen zu dürfen, die sie später in die gesellschaftlichen Führungspersonen schleuderte. Und, nein, das ist keine altbackene Betrachtung, denn die Grundstruktur und -idee des Bildungsunwesens ist seitdem gleich geblieben: Deutschland produziert noch heute, 200 Jahre nach Humboldts Königsberger Schulplan, Quoten an Risikoschülern, die einen an überfüllte preußische Bauernschulen erinnern: Bremen, 39 Prozent Risikoschüler im Gesamtdurchschnitt; Hamburg, Berlin, NRW, Hessen konzentrieren in ihren ehemaligen Hauptschulen bittere Bildungsarmut; auch die stadtinneren Banlieues von Nürnberg und München haben Schulen, die man nicht anders als Fabriken von Dropouts und Bildungsverlierern bezeichnen kann.
      Deutschlands Schulen sind ungerecht und wenig leistungsfähig. Diese Minusbilanz gilt (laut der jüngsten Untersuchung von Wilfried Bos) auch 10 Jahre nach der ersten Pisa Studie – trotz einiger schöner Erfolge, die aber ehrlicherweise vor allem in den gymnasialen Herbergen der Schönen und Reichen erzielt werden.
      Das ist das demokratische Grundproblem der deutschen Schule, und wir lösen es nicht durch eine elitäre bis nichtssagende Begriffsdebatte. Sondern durch einen entschlossenen Kampf gegen Bildungsarmut, zunächst in den rund 3.000 failing schools der Innenstadtbezirke. (Konzepte Link Freitag)
    2. Otto Herz trägt nun wirklich keine Schuld an der Bildungsarmut. Seine Analyse der Situation wird sicher die eine oder andere oben genannte Zahl ebenfalls verwenden. Nur ist die Alternative, die Otto anbietet, inzwischen leider doppelt diskreditiert: Erstens, weil es der Reformpädagogik nicht gelungen ist, eine weitflächige Humanisierung und Verbesserung der Schulen zu erreichen; und zweitens, weil sich die Reformpädagogik nach dem Supergau, den sie auf ihrem Flaggschiff der Odenwaldschule Oberhambach produziert hat, hüten sollte mit der Weitergabe oder gar Lobpreisung von Rezepten. Wohlgemerkt, ich gebe Otto keine persönliche Mitschuld an Hunderten sexuell gedemütigten Kindern und Jugendlichen. Aber ich möchte davor warnen, die reformpädagogischen Tugenden zu bejubeln, mit denen im Odenwald 20 Jahre lang eine trickreiche getarnte Päderastenhochburg betrieben werden konnte.
      Es ist bitter anzuhören, aber wo war denn die von Otto Herz besungene Zivilcourage, als der Schulleiter und Haupttäter Gerold Becker die innerschulische Demokratie der Odenwaldschule ausknipste? Zu den ekelhaftesten Geschichten, die noch zu erzählen sind, gehört jene, was mit den Jugendlichen geschah, die gegen Beckers Päderastie aufbegehrten: Sie wurden von Reformpädagogen eingeschüchtert und relegiert, sie wurden unter Alkohol und Drogen gesetzt, teilweise wurden sie entmündigt. Keine Zivilcourage, nirgends.
      (Das Angebot, die Geschichte der mutigen, vertriebenen Schüler im Rahmen eines Schülerpojektes zu erforschen, wurde seitens der Schule nicht angenommen.)
      Und wie sieht es eigentlich mit der Nähe zum Kind aus, dem zentralen Paradigma, von Ellen Key über Gustav Wyneken bis zu Gerold Becker eifrigst vertreten? Kann man wirklich diese Nähe, die Beziehung und den pädagogischen Eros weiterhin unkritisch predigen als wäre im Odenwald nichts passiert?
      Der Autor ist selbst kein Pädagoge und genauso geschockt wie viele andere über das, was unter dem Deckmantel der Reformpädagogik an Verbrechen alles möglich war. Aber er zieht andere Schlüsse als Otto Herz: Es reicht nicht, die Namen von Hentig, Becker sowie den der Odenwaldschule künftig zu verschweigen – und ansonsten die gleichen alten reformpädagogischen Versatzstücke wie Beziehung, Internatsfamilie oder Ausflug hochzuhalten. Die Reformpädagogik muss auf den Prüfstand. Die vermeintliche Alternative zur seelenlosen Staatsschule hat ihre Unschuld verloren. Sie hat Seelenmord nicht verhindert, wie Ellen Key forderte, sondern ihre prominentesten Vertreter haben Hundertfachen Seelenmord organisiert.
      Das könnten übrigens auch selbsternannte Bildungsreporter wissen – und sich des Instruments der Nachfrage befleißigen, wenn ihnen der liebe Otto von seinen bündisch inspirierten Fahrten berichtet oder, ernsthaft, die reisende Hochschule aus einer vollkommen verwahrlosten Lehrerbildung anbietet. Ottos Begründung, wieso dies nützlich sei, stammt, wie könnte es anders sein, von Goethe: Reisen bildet. Das mag schon sein, nur hilft das nicht wirklich eine Lehrerbildung zu reformieren, die in den kommenden zehn Jahren Ersatz für 300.000 zu pensionierende Lehrer schaffen muss.

    Was ist die Antwort? Reformpädagogische Autoren äußern sich in der Regel sehr pauschal und selten konzeptionell gefestigt. Die Reformpädagogik lässt sich nie auf irgendetwas festlegen, weil alles irgendwie ist. Empirischer Überprüfung halten die Ergebnisse der Reformpädagogen nicht leicht stand. „Die Reformpädagogen vertreten keine Konzepte, sondern Ideologie, deren Versprechen sie nicht einlösen können“, schreibt der Kritiker Salman Ansari. Jean-Pol Martin geht in eine ähnliche Richtung: Er verlangt ein klar umrissenes Menschenbild und ein definiertes Konzept für Pädagogik. In etwa so: „Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, um mit einströmenden Daten gelassen umgehen zu können, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten.”

    Die (Reform-) Pädagogen müssen also aufhören, schulische Wolkenkuckucksheime aufzustellen.

     
    • Der Lehrerfreund 23:24 am 16. April 2012 Permalink | Antworten

      Christian (Füller), grundsätzlich hast du ja absolut Recht. Aber das, was du am deutschen Schulsystem kritisierst, wird zentral von zwei Personengruppen vorangetrieben:
      1) von Politikern, denen der eigene Machterhalt näher liegt als das Wohl der Gesellschaft (das sind fast alle);
      2) von (nicht selbst ernannten) Professoren und Doktoren, die sich dem Fetisch der Empirie beugen und nicht mehr an den individuellen Menschen glauben, sondern an triste Zahlen (die sich dann wieder die o.g. Politiker zunutze machen – gegen signifikante Studienergebnisse gibt es keine Argumentation).

      Deshalb ist es auch mal gut, die Stimme von Leuten zu hören, die sich HERZLICH Gedanken darüber machen, was eine gute Bildung ist. Wenn wir nur noch die (sicherlich sinnvollen) Untersuchungen von Wilfried Bos zu Rate ziehen, werden wir dem Menschen als Individuum nicht mehr gerecht. Und das wäre durchaus fatal.

      (Natürlich ist es auch gut zu hören, dass uns reformpädagogische Gedanken allein nicht aus dem Sumpf ziehen werden, genau so wenig wie Evaluationen und Leistungstests.)

    • Wolfgang Neuhaus 08:15 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich hatte noch keine Zeit, das Video zu sehen, kann aber die Problematik nachvollziehen, weil ich mich auch mit dem Bildungsbegriff und reformpädagogischen Ansätzen herumschlage. Schulen in denen man 600 EUR und mehr pro Monat Schulgeld zahlen muss, sind definitiv keine Lösung für das Problem der Chancenungleichheit. Doch leider ist das ein gemeinsames Merkmal vieler Schulen mit hohem »Bildungsanspruch« wie z.B. den Schulen und Internaten im Umfeld der deutschen Reformpädagogik. Natürlich muss Chancengleichheit ein zentrales Ziel unserer Bildungsinstitutionen sein. Dennoch halte ich es für problematisch, in US-Manier Empirie gegen den Bildungsbegriff zu stellen, aus folgendem Grund:

      Jugendliche mit einem schlechten Leistungsniveau im Sinne der PISA-Studien kommen häufig aus einem sozial problematischen Umfeld, kämpfen mit negativen Migrations-Erfahrungen und haben dennoch Träume, Wünsche und Pozenziale, die in der Regel sehr viel vielfältiger sind, als nur die gleichen Chancen zu haben wie ihre Altersgenossen. Für diese Jugendlichen wäre die Orientierung an irgendwelchen Output-Werten, seien es die Zensuren in der Schule oder die empirischen Ergebnisse diverser Studien viel zu defensiv. Deshalb ist es für mich (als ehemaligem Lehrer) absolut nachvollziehbar, dass Lehrer sich einen Kompass suchen, an dem sie ihr Handeln orientieren. Da Empirie zu Eng ist, um Räume für die Zukunft zu schaffen, halte ich einen ideologiefreien, seiner gesellschaftlichen Funktion beschreibenden Bildungsbegriff im Sinne von Weitergabe, Erneuerung und Potenzialentfaltung wie er z.B. in der Reformpädagogik John Deweys zum Ausdruck kommt für geeignet, hier auszuhelfen. Natürlich muss dieser Bildungsbegriff an die heutigen Bedingungen medialer Transformation angepasst werden. Aber im Grundsatz bin ich der Überzeugung, das die Unterstützung individueller Potenzialentfaltung gerade auch sozial-problematischer Zielgruppen, die nur im Kontext kollektiver Aktivitäten funktioniert, die bessere Perspektive ist, als die Defizit-Behebung entlang der Ergebnisse empirischer Studien. mal so ins unreine gesprochen …

    • jean-pol martin 08:49 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Die allgemeine Pädagogik verführt, wie die Geisteswissenschaften insgesamt, zur Produktion von erfahrungsarmen Visionen. Man muss die erlösungsversprechenden Blasen nicht konkret untermauern. Dafür gibt es auch einen Markt und solange die Abnehmer mit den pathetischen, hochredundanten Gebilden zufrieden sind, wird weiter visioniert. Im realen Schulalltag werden Innovationen im kleinen permanent generiert. Ohne Innovationen geht der normale Hauptschullehrer schnell zugrunde. Nur, dass der Hauptschullehrer keine Zeit hat, um an die Öffentlichkeit zu gehen. Er muss ja jeden Tag unterrichten. Hier könnte man natürlich erwarten, dass der Visionär Alltagsinnovationen aufgreift und bekannt macht, aber das ist nicht sein Job. Er will seinen eigenen Diskurs positionieren. So bezieht er sich immer wieder auf Dewey, ohne wahrzunehmen zu wollen, dass es heute im hier und jetzt Lehrer gibt, wie beispielsweise Erich Hammer: http://www.youtube.com/watch?v=cRxY2jSUahU Hammer bekannt zu machen würde im hier und jetzt vielen Kollegen helfen, ihren Schulalltag glücklicher zu gestalten, aber da ist doch dieser Dewey! Der hat Vorrang. Reinhard Kahl hat begonnen, den Fokus auf die Erich Hammer dieses Landes zu richten. Das tun auch die Bildungsreporter. Den einen oder anderen Visionär werde wir noch verkraften können. Wobei ich selbst mit Schrecken feststellen musste, dass ich selbst in meinem Interview Sprechblase produzierte. Wie gut, dass ich über konkret Erlebtes in der Hinterhand verfüge. Wir brauchen konkrete Innovatione, die im realen Unterricht entstanden und theoretisch begründet sind. Also: weitter so, Ihr lieben Bildungsreporter!

    • BritSyl 10:21 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Schichtsalat
      Der Artikel von Christian Füller zeigt in seiner Konzentration die wesentlichen Problem an deutschen Schulen auf. „Die“ kindorientierte Reformpädagogik als Sahnehäubchen und glücksbringenden Gegenentwurf zur „verstaatlichten“ Top-Down-Segregation gibt es nicht mehr. Es will nicht mehr gelingen Reformpädagogik seit der Odenwaldschule unkritisch zu betrachten. Ein Riss teilt das Ideal.

      Seit durch die UN-BRK das Recht auf gemeinsame Beschulung aller Kinder festgelegt ist, müssen sich Schulen auf den Weg machen ohne auszusondern und somit Bildungsverlierer zu produzieren. Doch das ist teilweise sehr zwiebeln und tränenreich. Da hilft es vor Ort wenig, wenn auf Kongressen Bilder glücklicher Kinder und Pädagogen in der Powerpointpräsentation in der Eins- zu-Eins- Situation zeigen. Diese Ressource an Zeit, Raum und Kraft fehlt noch zu oft. Es gibt eigentlich kein Erkenntnisproblem. Visionen haben Akteure auch- und Schmerzen, wenn man die Potsdamer Studie zur Lehrergesundheit befragt. Denn die Engagiertesten brennen aus. Warum? Den zartenTransfer der Visionen in den Alltag überlagern zu häufig grob geschnittene strukturelle Anteile, an denen man sich die Zähne ausbeißt.

      Jeanpol Martin konkretisiert das Dilemma Die eigentlichen Experten innovieren als „lokale Akteure“ vor Ort. Glücklich der Lehrer/ Lernende / die Lehrerin/Lernende die den Raum bekommt, mit ihren Schülern/Experten und Schülerinnen/Expertinnen gemeinsam „Schulglück“ zu generieren und zu erfahren, weil ein echter Dialog stattfindet, weil sich alle Anwesenden Fragen stellen und mittels vielfältiger Wege, Methoden und Medien die Antworten finden lassen, die neue Fragen aufwerfen.

      Ich bin sehr froh über die neuen Medien, die aktiven Pädagoginnen und Pädagoginnen die Möglichkeit geben sich zu vernetzen, Mut zu machen, wie Schule sich eben von innen verändern kann, ausgehend von Ideen der Menschen, die dort sind. Es ist im Alltag wirklich kaum möglich auf einen der unzähligen Bildungskongresse und Fachtage zu gehen, wo sich die „Fachleute“ tummeln. Es ist wie in einem Schichtsalat: Unten steht das System-Dressing bald bis zum Hals, und Berufs- Visionäre übergießen den gesamten Inhalt mit fluffiger Creme-fraiche durch leichte Sprache. Das neue Format des BarCamps! beim Kongress „Archiv der Zukunft“ in Bregenz 2011 hat mir gezeigt: Es gibt eine kleine Hoffnung! Dort zeigte sich theoretisch fundierte konkrete Praxis.

      Liebe Bildungsreporter: Mischt den Salat! Lasst die Akteure sprechen! Fragt auch die Kinder!

    • Lisa Rosa 14:43 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich gebe Christian Füller Recht. Die deutsche „Reformpädagogik“ gibt es als Kehrseite der Medaille seit es die Einführung der allgemeinen Pflichtschule in Preußen gibt. (Weil auf der Stelle klar wurde, dass die Humboldtschen Bildungs-Ideale mit der Schul-Realität nichts zu tun hatten.) Und die deutsche „Reformpädagogik“ ist nicht nur durch den „pädagogischen Eros“ und seine schlimmen Folgen desavouiert, sondern auch dadurch, dass sie eben die idealistische Wunschseite für die materialistische Realseite der Medaille „deutsche Pädagogik“ war und ist. Ob man nun mit dem Maslovschen Sozialtechnologie-Modell der 60er jahre (Menschenbild JP Martin) auf die Überwindung dieser unsäglichen Dichotomie (entweder Bildung oder Pauken) kommt, wage ich zu bezweifeln. Aber dass es um einen der Gegenwart und Zukunft angemessenen neuen Lern- und Wissensbegriff geht, ist ganz sicher. Diesen neuen Begriff (Konzeptvorstellung) braucht den Begriff Bildung nicht. Er kann historisiert werden bzw. „Bildung“ einfach als das Ergebnis von Lernprozessen angesehen werden, dann gibt es eben im Konkreten mehr oder weniger davon. (vgl. meinen Text „Ein Bildungskanon für die glokale Welt?“ in „Bildungskanon heute“ http://library.fes.de/pdf-files/studienfoerderung/08990.pdf Seite 73-79).
      Wichtig ist zu bemerken, dass nur da wirklich gelernt werden kann, wo ein persönlicher Sinnbezug möglich ist. Das verlangt ein selbstbestimmtes und personalisiertes Lernen. Denn von den dropouts und schlecht „gebildeten“ Lernern aus den „Risiko“-Schulen weiß man, dass sie nicht deswegen so schlecht lernen, weil sie blöd sind, sondern, weil sie – und das häufig zurecht! – keinen Sinn in dem sehen können, was sie lernen sollen. Und weil sie wissen, dass die Ansage „Bildung macht erfolgreich“ bullshit ist.
      Viel ist v.a. aus der außerschulischen Jugendbildung zu lernen, da wo sie freiwillige Projekte unter Mitbestimmung der Jugendlichen erfolgreich macht. Das könnte z.B. Vorbild für „guten Unterricht“ auch in der Schule sein. (Aber die außerschulische Jugendarbeit wird in HH gekürzt und die Schulen schauen darauf herunter.)

    • Sabine 19:59 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Man darf auch mal Ideale und Visionen hochhalten, selbst wenn die reale Welt häufig anders ist. Das Interview mit Herrn Herz ist grundsympathisch! Manchmal geht es eben auch nur um die kleinen Erfolge und die lassen sich nur erzielen, wenn man visionär denkt und fühlt. Wer immer nur meckert, kommt genau so wenig voran, als wer immer nur Idealisiert. Die Mischung der Diskrepanzen Vision und Realitätseinsicht und das was daraus entsteht, macht den kreativen Menschen aus, dem es gelingt die Welt ein Stück weit zur Weiterentwicklung zu bringen.

    • B.Mat 21:24 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Die kindorientierte oder kindzentrierte Ansatz ist fester Bestandteil und Grundlage in nahezu jedem pädagogischem Konzept von Kindergärten und Schulen in Deutschland. Sie arbeiten situativ und/oder situationsorientiert. Es mag Ausnahmen geben, die Bildungslandschaft ist vielfältig, aber funktional arbeitet keiner der großen Träger mehr. Die Reformpädagogik ist keine Vision sondern gelebte Pädagogik. Wäre dem nicht so, müssten wir zurück zu autoritären Strukturen. Alles, was sich in der Pädagogik seit 200 Jahren verändert hat, ist Reformpädagogik.

    • m.g. 21:54 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Die Strukturen der Gesellschaft sind autoritär. Mittlerweile zwar ziemlich subtil autoritär aber doch um so mehr autoritär. Eine Insel der Glückseligen für die Zeit der Kindheit zu schaffen, ist ein Verbrechen an den Kindern und keine Vorbereitung aufs Leben. Trotzdem finde ich die Haltung von Herz gut. Seine Idee von Bildung mag eine Vision sein, sie könnte aber auch die meine sein. Es bedarf nicht unbedingt der Reformpädagogik um die Vision umzusetzen.

    • cspannagel 22:32 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich finde die Diskussion ausgesprochen spannend und lerne gerade selbst sehr viel dadurch. Ich finde die Punkte, die Christian Füller anspricht, wichtig: Chancenungleichheit, die Vorfälle an der Odenwaldschule, … – all das muss diskutiert, angesprochen, vorgehalten werden dürfen. Dennoch sollte man aber über Visionen reden und mit Visionären sprechen dürfen. Sollen wir aufgrund der herrschenden Schwierigkeiten im Bildungssystem aufhören, uns über den Bildungsbegriff auszutauschen? Ich finde nicht. Wichtig ist, dass wir nicht nur (!) über den Bildungsbegriff plauschen, während noch ganz andere Dinge Probleme bereiten. Aber lassen würd ich’s ungern wollen. Auch die Diskussionen, die daraus entstehen, können hochspannend sein – wie diese hier.
      Danke auch an Jean-Pol und BritSyl für den Hinweis, auf eine gute Mischung bei den Interviews zu achten: Das werden wir!

    • Wolfgang Neuhaus 22:37 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich lege keinen Wert auf den Begriff Reformpädagogik. Und habe zum Glück mit so Leuten wie Becker und von Hentig nie etwas am Hut gehabt. Ich halte es für sinnvoll, den Begriff Bildung im Sinne von Entwicklung und permanenter Innovation zu verstehen und nicht als etwas, dass man jemandem als Eigenschaft ankleben kann. Also sollten wir vielleicht besser von Innovationspädagogik sprechen. Trotzdem lassen sich bei einer solchen Denke historische Bezüge zur Reformpädagogik nicht übersehen.

    • jean-pol martin 06:12 am 18. April 2012 Permalink | Antworten

      @BritSyl Danke für deinen Text!

      „Berufs- Visionäre übergießen den gesamten Inhalt mit fluffiger Creme-fraiche“

      und
      „Visionen haben Akteure auch-“
      Die Visionen der Berufsvisionäre verhindern einen freine Blick auf die Visionen der Akteure…

    • Bernd Weber 15:32 am 18. April 2012 Permalink | Antworten

      Ich finde die Diskussion die hier geführt wird sehr interessant. Sie verrät viel über unser Bildungskonzept, zeigt auch unterschiedliche Richtungen auf.
      Aber ich möchte diese Diskussion einmal aus dem „akademischen“ Bereich herausführen und in meine alltägliche Realität bringen.
      Ich arbeite seit einigen Jahren in der Begabungs- und Potenzialfindung mit Kindern und Jugendlichen aller Schularten. Ich möchte sagen, dass bei jedem einzelnen Fähigkeiten und Potenziale zu finden sind, auch dass man sie zur persönlichen Entwicklung zugänglich machen kann. Aber solange man in der Schule nicht in der Lage ist, einen den Fähigkeiten entsprechenden Unterricht zu gestalten, trägt das mehr zu Frustration und Unzufriedenheit bei, als zur Weiterentwicklung.
      Auch habe ich leider feststellen müssen, dass nur eine zu geringe Anzahl an Lehrkräften bereit ist Zeit für entsprechende Fort- oder Weiterbildungen zu investieren. Alle reden von Inklusion, aber diese Inklusion bedeutet auch auf individuelle Fähigkeiten einzugehen, das starre Bildungskonzept zu verlassen. Dazu gehört auch der Mut die entsprechenden Veränderungen einzuleiten.
      Jeder Einzelne der dazu beiträgt ist wertvoll. So beginne ich jetzt in NRW an einer Hauptschule ein Klassenprojekt. Wir untersuchen das Potenzial einer 5. Klasse, die also gerade ihre Hauptschullaufbahn beginnt. Ziel ist es herauszufinden, welche Stärken vorhanden sind, welche Fähigkeiten gefördert werden können. Den Kindern sollen damit Perspektiven aufgezeigt werden, sie sollen bemerken, dass man Wert auf ihre persönlichen Stärken legt, sie pädagogisch unterstützen möchte. Außerdem soll die Klassengemeinschaft gefördert werden, dazu gehört auch die Ausbildung und Förderung der sozialen Kompetenzen.
      Diese Klasse wird über eine längere Zeit in speziellen Workshops gefördert werden, ebenso die Lehrer, Betreuer und Eltern. Dies wird ein Pilotprojekt sein, welches nur durch das Engagement der Lehrerschaft und des gemeinnützigen Vereins Talentino e.V. möglich werden konnte.
      Es gibt sie also, die Veränderungswilligen.

    • m.g. 16:56 am 18. April 2012 Permalink | Antworten

      Wie um Himmels Willen soll denn Inklusion gelingen, wenn die Gesellschaft ihre Mitglieder selektiert und ghettoisiert? Inklusion in Berlin Neukölln? Welcher Inklusionsbeführworter schickt seine eigenen Kinder in die Schulen von Problembezirken damit sie gelingt, die Inklusion? Wenn Inklusion dann konsequent: Eine Schule für alle. Und dann bitte auch keine Ausnahme für Kinder von Professoren, die ihr Kind lieber auf ein Privatgymnasium schicken.

    • Jörg Thelenberg 21:52 am 18. April 2012 Permalink | Antworten

      @BritSyl Vielen Dank für deine Zeilen über Berufsvisionäre.

      Ich komme aus der Systembetreuer-Schiene (165 PCs an der Schule), aber wenn ich nebenbei mal Zeit habe, über Unterricht nachzudenken, versuche ich dort – z.T. mit ein paar gleichgesinnten Kollegen im Kleinen funktionierende, eklektische Verbesserung im täglichen Unterricht zu errreichen. Der ist wohl eine sehr unvisionäre, aber pragmatische Mischung aus Frontal-analog Unterricht, Wiki- und Blog Arbeit in Gruppen- oder gar Projektform, und seit neuerem die Demokratisierung des Beamers durch zunächst einen weitergereichten TabletPC, der per WLAN an den Beamer angebunden ist.
      Was mir als Systembetreuer und als Lehrer, der eben im Kleinen an kleinen Lösungen bastelt, am meisten auf den Nerv geht und vile Arbeit macht, sind viele der Visionäre an meiner Schule und in der Netzgemeinde.

      Sie haben ständig Ideen (ja, die sind wichtig), die sie z.B. dem Systembetreuer als Maximalforderung vorlegen. Für die Realisierung, den Pilotversuch, oder eine Evaluation, die den Namen verdient, sind sie nicht zuständig – sie basteln schon an der nächsten Vision. Das bringt oft leider mehr Unruhe, Chaos und Frust bei denen, die dann die Visionen umsetzen sollen, als belegbare Ergebnisse.

      Den Sachaufwandsträger verschrecken die SupüerVisionäre durch finanzielle Maximalforderungen und gelinde gesagt, z.T unbewiesene, unbelegte Vorstellungen auch (Visionen eben!) in Sachen technischer Ausstattung usw. Damit richten sie oft mehrfachen Schaden an:
      Es werden für Visionen (und viele erweisen sich halt auch mal als Irrwege) z.T. erhebliche Summen ausgegeben, die für Anderes an der Schule auch wichtig gewesen wären. Da werden übereilt im Klassensatz Noteooks gekauft, aber ein technisches oder didaktisches Konzept gibt es noch nicht …. Wartung usw. ist nicht geklärt … usw. Es gibt Probleme bei der Umsetzung, und gerade die engagiertesten Kollegen, vom Visionär dazu animiert, hängen in eijner problematischen, irgenwann abgebrochenen versuchsweisen Umsetzung der Vision fest und werden verschlissen.
      Der Elternbeirat oder die Stadt zahlt gerne, denn Visionäre verstehen zu begeistern und gewinnen. Aber: Der Etat ist begrenzt … und was für die Vision ausgegeben wurde, fehlt anderswo. Der Visionär sagt dazu beschwörend: „Ja, hier darf nicht gespart werden, wir brauchen beides – die Notebooks und das Geld für die anderen wichtigen Dinge!“ Das klingt heldenhaft kämpferisch ….. ist aber realitätsfern. Die Geldmittel im Bildungsbereich sind in Jahresetats aufgeteilt und begrenzt (je nach Sachaufwandsträger mehr oder weniger). Der Visionär bindet also z.T. erhebliche Mittel, die anderswo fehlen. scheitert die Vision (ja, klar, das passiert halt …) ist das Geld futsch ….
      Sachaufwandsträger und selbst gutmeinende Lokalpolitiker und Gönner laufen den Visionäre gerne nach: Das gibt schöne Schlagzeilen, das klingt modern, innovativ …. ist aber großteils eben eine Vision – mithin eine sehr optimische (Wunsch)vorstellung …. Aber der schnell weiterziehende, rosa Zukunftsvisionen malende Visionär ist oft schon wieder bei der nächsten Vision … postuliert diese im Namen der Schule …. Irgendwann wirft man der Schule vor, sie wolle ständig neue, teure Ideen umsetzen, was denn aus der letzten (teuren) Vision geworden sei, ob die nichts tauge, da man nun schon wieder etwas anderes wolle.

      Kurzum: Visionäre sind in meiner Erfahrung vor Ort oft eher ein Problem, weil sie wie die sich jagenden Reformen und Reförmchen an den Schulen die viele Arbeit der Umsetzung, die Bitternis von selbstverständlich auch scheiternden Versuchen, finanzielle Fehlgewichtingen und Ausgaben hinterlassen – ein Chaos, Frust, Abnutzung, Rformmüdigkeit.

      Die einzigen Visionäre, die das nicht tun, und vor denen ich Hochachtung habe, sind die, die ihre Visionen auch im Kleinen, an einer Schule, im Klassenzimmer in der Versuchs-, Alltags und Evaluationsphase mit Umsetzen und nicht als freischwebende Funktionäre des WEB3.0, auf Kongressen und in Blogs Visionen herausspulen, ohne jede Aussage und realistische Planung dazu wie man die, die das umsetzen sollen, technische Entwicklung, Didaktik und Methodik, Urheberrechtsprobleme und begrenzte Finanzen zusammenbringt um etwas zu erreichen.

      Helmut Schmidts „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“ ist lustig, aber selbst mir zu extrem.

      Gerhard Wolfs „Visionen ohne Aktionen sind Halluzinationen.“ ist da schon fairer, und nahezu ideal wenn man es mit Hilmar Koppers „Visionen brauchen Fahrpläne.“ kombiniert.

      Grüße

      Jörg (der auch Visionen hat, nur kleinere, lokal umsetzbare ….)

    • m.g. 11:21 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

      @Jörg Thelenberg Die Leute, die Du beschreibst sind keine Visionäre, sondern Meister der Selbstinszenierung: „Schau mal was ich schon wieder Schlaues über die neuen Techniken weiß.“
      Letztendlich wissen sie aber gar nichts und plappern nur irgendwelche Parolen nach, die sie im Internet aufgeschnappt haben. Da werden dann Potentiale in die „neuen Medien“ interpretiert, die diese nie haben werden. Wenn man dann wirklich etwas umsetzen möchte ist kein Geld mehr da, weil die E-Learning-Visionäre es sinnlos zum Fenster raus geschmissen haben. Merke: Es ist vor allem der innovativ, der viel Geld ausgibt.

    • ciffi 19:18 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

      @dunkelmunkel – klar muss man über Visionen sprechen; aber, wieso bitte, ist Otto Herz ein visionär?! hallo. er präsentiert einen bildungsbegriff aus der Jugendbewegung, das ist 100 Jahre her. Leute! wieso holt ihr euch nicht die Leiterin der kleinen kiel Straße, wieso nicht die Rektoren der Geschwister-scholl-schule in hindelang, wieso nicht die powerchefin der berliner heinz-brandt-schule; ich fürchte: ihr kennt diese Leute gar nicht, deswegen müsst ihr den weiten weg zurück zur Jugendgruppe von Otto radeln.
      wichtig! holt euch den Jens großpietsch, das ist der beste pragma-visionär, den ich kenne; mit Anknüpfung an die besten Leute der reformpädagogik

      @B.Mat ne, reformpädagogik ist spezieller definiert als „Reform“; sie stammt aus der Jugendbewegung und sie trägt einen gemeinschaftsbegriff, der anti-demokratisch und anti-zivilisatorisch ist – von steiner über lietz und geheeb bis petersen und montessori; auch ellen key. die reformpädagogen haben derart viele Leichen im Keller, dass einem schlecht wird. das heißt nicht, dass man alles wegwefen muss, aber dieser blinde hentig-et-al-gehorsam, führt direkt ins abseits. das wichtigste Beispiel: was heißt Beziehung im pädagogischen setting? was hat das mit pädagogischem eros noch zu tun? wieso könnt hentig noch 2010 noch vom scheuen Gott der Zärtlichkeit predigen, ohne ausgebuht zu werden? das sind die fragen, die weh tun.

      @britsyl hat es zauberhaft zusammengefasst; mit meinen Worten, böser gesagt: wir stehen vor einer schweren seelischen Krise der schule: die kalte beziehungslose Staatsschuld; und die schwülstige bis übergriffige reformschule odenwälrder Typs; und leider leider, eine ganze generation alter fahrensleute von herz bis kahl, von ilsemann bis brügelmann, die sich weigern zu kapieren, was eigentlich passiert ist.

    • Jens Großpietsch 21:02 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

      Auch wenn ich nicht in allen Punkten der Kritik von Füller an „der“ Reformpädagogik folge, so hat er am Schluss doch eine richtungsweisende Formulierung gefunden, was ein Konzept von Pädagogik heute sein könnte: „Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, um mit einströmenden Daten gelassen umgehen zu können, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten.”
      Pädagogen heute sollten schon schauen, was aus der Geschichte der Pädagogik zu lernen ist – Z.B. vom Bund der entschiedenen Schulreformer. Leider fehlt die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Strömungen der Reformpädagogik weitgehend ( auch unter „den“ Reformpädagogen).
      Für die Schule an der ich arbeite gilt unter anderem ein Leitspruch eines Reformpädagogen, der heute kaum in der Diskussion ist: „Möglichst hohe Forderungen an den Menschen, gleichzeitig aber auch möglichst hohe Achtung vor ihm. … Von einem Menschen, den wir nicht achten, können wir nicht das Höchste verlangen.“ Hier wird von Achtung gesprochen ( und nicht von Nähe oder gar Liebe)- an Achtung – daran fehlt es mir leider an vielen Schulen.

    • m.g. 22:57 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

      „Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten … “
      Ok, ich tue mich mit ein paar Ganoven zusammen und wir erstellen gemeinsam ein Konzept für einen Banküberfall. Mit den einströmenden Daten des Martinshorns, das das Anrückens der Polizei übermittelt, gehen wir dann ganz gelassen um.
      Selten soviel Blödsinn gelesen. Es reicht einfach nicht aus, Informatik und Naturwissenschaften halbpopulärwissenschaftlich zu verstehen, und dann auf die Pädagogik zu übertragen.
      Vielleicht ein bißchen Futter aus der Informatikecke?
      In der Informatik ist es nicht möglich, den Begriff des Algorithmus wirklich zu definieren. Ein intuitiver Algorithmusbegriff reicht letztlich aus. Vielleicht gilt das analog für den Begriff der Bildung bzgl. der Pädagogik?

    • jean-pol martin 08:42 am 20. April 2012 Permalink | Antworten

    • NL 10:57 am 23. April 2012 Permalink | Antworten

      Fragt doch mal bei den Betroffenen nach, sprich bei den Schülern und Eltern !

      Fragt alle die durch unser staatliches Schulsystem geschoben werden, sei es mit Unterstützung durch Nachhilfelehrer oder wie in fast allen Familien üblich durch Hausaufgabentreuung durch die Eltern.
      Fragt nach den ständigen Auseinandersetzungen wenn es um Hausaufgaben und Klassenarbeiten geht um Dinge die jetzt eben zu lernen sind, weil es eben so im Plan steht und für alle 28 Schüler im gleichen Tempo vermittelt und abgehakt werden müssen,egal ob es interessiert oder nicht.

      Fragt nach bei den Psychologen (Selbstbewusstsein ?, Antriebslosigkeit? Schulangst ?)
      Fragt nach bei den Kinderärzten (speziell nach Kopfschmerz im Kinder und Jugendalter )
      Fragt die Lehrer an staatlichen Schulen – wer begeisert seine Schüler und kann zum Lernen motivieren-nur der sollte sich übrigens auch Lehrer nennen !

      Fragt nach wieviel von den Präsentationen der Schüler in Abend und Nachtarbeit von den Eltern fertiggestellt werden und fragt euch dann auch wer oder was so letztendlich in unserem ach so tollen Staatlichen Schulsystem benotet wird.
      Es sind meist Mütter manchmal auch Väter, die häufig völlig entnervt diesen Job zu Hause viele Jahre lang machen und so selbst nur Teilzeit arbeiten- wenn überhaupt !Gut dran ist man wenn man sich für maximal 2 Kinder entschieden hat-in möglichst großem Abstand, denn sonst ist dies kaum zu leisten.

      Zu dem Thema sexueller Mißbrauch kann ich nur sagen, schaut euch die Kirchen an und schaut euch Heime und Internate allgemein an – es braucht dazu keine Reformpädagogik !

    • Jens Großpietsch 20:16 am 23. April 2012 Permalink | Antworten

      @m.g. für die Planung eines Banküberfalls – keine so schlechte Idee.
      Ernsthaft: Pädagogik ist nicht beliebig. Was in einer Schule geschieht, sollte auf der Grundlage eines Menschenbildes, z. B. wie es der Verbund der entschiedenen Schulreformer hatte, gemeinsam mit den Beteiligten beschlossen werden. So verstehe ich in Kurzform den Vorschlag von ciftci.
      Wer will kann ihn auch als Anleitung für das Bauen von Legohäuschen nehmen…

    • Lutz Berger 08:04 am 25. April 2012 Permalink | Antworten

      aufmerksam habe ich vor ein paar wochen die tweets von christian füller über das interview mit otto herz verfolgt und ihn daraufhin um ein skype-interview gebeten. das mündete schliesslich in obigem blogbeitrag.

      ein wort darin ist mir besonders aufgefallen, aufgestossen: „selbsternannt“. christian und ich als „selbsternannte bildungsreporter“. dazu ein aktuelles zitat aus SPON, von sascha lobo über den „Aufstand der Selbsternannten“:

      „… ein entlarvendes Wörtchen aus dem Brief der „Tatort“-Autoren findet sich in dem Satz: „Die vermutlich gravierendste Lebenslüge der selbsternannten Problemlöser…“ Gibt es überhaupt ein Wort, das mehr Obrigkeitshörigkeit und Hierarchieunterwerfung ausdrückt als „selbsternannt“, wenn man es abfällig verwendet? Wenn man die Selbsternennung als etwas Schlechtes ansieht – ist man dann nicht dazu verdammt, auf die Ernennung durch den Vorgesetzten, hierarchisch Berechtigten zu warten oder auch gleich auf Godot?“

      gute frage!

    • cspannagel 14:16 am 25. April 2012 Permalink | Antworten

      @ciffi Vielen Dank für die Hinweise auf weitere potenzielle Interview-Partner! Wir versuchen, eine große Vielfalt bei unseren Gesprächen umzusetzen (unser heimliches Ziel: Wir wollen ALLE! :-)), insofern sind wir immer dankbar für Vorschläge von Personen, die wir selbst nicht kennen. Und, ich finde es ehrlich gesagt nicht besonders tragisch, dass wir von vorneherein nicht alle möglichen Vormacher und Vordenker im Bildungsbereich kennen. Dafür haben wir ja euch! 🙂

      Zu den Visionen: Die Tatsache, dass Visionen (vermeintlich) alt sind, bedeutet nicht, dass sie schlecht sind. 😉

  • dunkelmunkel 16:48 am 15. April 2012 Permalink | Antworten
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    Trailer zur zweiten Sendung: Lehrerbildung der Zukunft! 

    Dossenheim zur Kreidezeit geht in die zweite Runde! Am 26. April 2012 senden wir ab 20 Uhr LIVE aus der Freien Schule LernZeitRäume. Das Thema? Schaut euch den Trailer an!

    Schaltet ein am 26.4. auf unserem LIVE-Channel!

     
  • dunkelmunkel 23:27 am 14. April 2012 Permalink | Antworten  

    Torsten Larbig zu Open Educational Resources 

    Open Educational Resources – der Begriff geistert seit einiger Zeit durch die Webwelt. Aber was ist das eigentlich genau? Und weshalb sollten sich Lehrerinnen und Lehrer damit befassen? Torsten Larbig (also known as Herr Larbig oder @herrlarbig)  gibt die Antwort – im Bildungsreporter-Interview:

     

     
  • dunkelmunkel 11:19 am 14. April 2012 Permalink | Antworten
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    Interview mit Otto HERZ: Was ist Bildung? 

    Nach Pestalozzi sollte man mit Kopf, Herz und Hand lernen. Mit Herz sprachen wir – nämlich mit dem Reformpädagogen und Bildungsquerdenker Otto HERZ. Was ist Bildung? Wie sollte das Lehramtsstudium gestaltet sein? Und vor allem (in memoriam an die Bildungsexpedition): Was sind seine persönlichen Expeditionen gewesen, die ihn so stark zum Umdenken angeregt hatten? Auf all das gibt es Antworten im Interview.

    Die Lehrerbildung wird übrigens auch Thema sein in der nächsten Sendung Dossenheim zur Kreidezeit am Donnerstag, 26.4.2012, um 20 Uhr!

     
    • Sabine 19:46 am 17. April 2012 Permalink | Antworten

      „Bildung heißt Selbstbefreiung“. Das ist ein sehr schönes Zitat von Herrn Herz.

  • dunkelmunkel 01:00 am 13. April 2012 Permalink | Antworten  

    Aufruf: Kurznachrichten gesucht! 

    Was ist eine Nachrichtensendung ohne Kurznachrichten? Ohne Ticker? Ohne Eilmeldungen?

    Richtig: Möglicherweise eine ganz gute Nachrichtensendung, aber keine PERFEKTE!

    Daher unser Aufruf an alle Bildungsreporter(innen), Korrespondent(inn)en und wohlgesonnenen Mitdenker(innen): Wir sind interessiert an heißen Bildungsnews, an außergewöhnlichen Links über Schule und Hochschule, an fesselnden Neuigkeiten zum Lernen und Lehren. Was gibt es Neues aus dem Rotstiftmilieu? Was wird gerade heftig im Web diskutiert – und wo?  Wenn ihr einen Tipp habt: her damit! Kommentiert, was das Zeug hält!

    Die nächsten Bildungsnews werden – genau wie bei der letzten Sendung – im Rahmen von Dossenheim zur Kreidezeit am 26.4.2012 um 20 Uhr gesendet. Aber diesen Termin habt ihr euch ohnehin schon notiert. Oder etwa nicht? Nein? Okay, dann nochmal: Dossenheim zur Kreidezeit, nächste Sendung am 26.4.2012 um 20 Uhr! 😉

     

     

     
  • dunkelmunkel 09:57 am 12. April 2012 Permalink | Antworten  

    Die ZUM wird 15 Jahre! 

    In diesem Jahr wird die Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V. – kurz: die ZUM – 15 Jahre alt! Zu ihren Angeboten zählen neben den klassischen ZUM-Medien auch das ZUM-Wiki – ein Wiki von Lehrer(inne)n für Lehrer(innen) –  und die ZUMunity – ein Netzwerk für Lehrerinnen und Lehrer. Anschauen, anmelden, mitmachen – es lohnt sich!

    Das Jubiläum ist den Bildungsreportern natürlich Anlass genug, um einmal mit dem 1. Vorsitzenden des Vereins Karl Kirst zu plaudern. Wir sprachen mit ihm über die Ziele des Vereins, über freiwilliges Engagement und über Istanbul:

     

     
  • dunkelmunkel 12:33 am 6. April 2012 Permalink | Antworten
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    Über glückbringende Strukturen und Weltverbesserungsprojekte 

    Für die zweite Sendung von Dossenheim zur Kreidezeit führten die Bildungsreporter wieder rund um die Uhr (!) Interviews. Das erste Video ist ein Gespräch mit Prof. Dr. Jean-Pol Martin darüber, wie glückbringende Strukturen in Schule und Hochschule geschaffen werden sollen und warum um alles in der Welt soll Schule eigentlich glücklich machen? Schüler sollen doch einfach nur was lernen! 😉

    Die weiteren Interviews kommen demnächst – also am besten den RSS-Feed abonnieren! 🙂 Außerdem vormerken: Am 26.4.2012 gibts die nächste LIVE-Sendung von Dossenheim zur Kreidezeit. Thema: „Lehrer werden – Die Lehrerbildung der Zukunft“

     

     
    • jean-pol martin 11:09 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

      Auf Anfrage kann ich ganz konkret beschreiben, wie ich „glückbringende Strukturen“ in Rahmen von Projekten systematisch anbieten. Stichwort: „>Ingolstadt-Expertise“

      • jean-pol martin 11:39 am 19. April 2012 Permalink | Antworten

        Da benutze ich einfach diese Plattform, um meinen Ansatz zu präzisieren.
        In Ingolstadt leben 43% Personen „mit Migrationshintergrund“. Einige sehen das als Problem, ich sehe das als Chance. Ein zentraler Punkt meiner ganzen Arbeit seit 30 Jahren ist die Ressourcenorientierung. LdL ist eine durch und durch ressourcenorientierte Methode. Ich sehe Menschen zunächst als Ressourcen. Ich sehe, das was sie können und nicht das, was sie nicht können. Nun sind unsere Migranten meist jung, ehrgeizig und willig, sich sinnvoll und rasch in die Ingolstädter Gesellschaft einzubringen. Bisher leben sie eher am Rande in eigenen Communities, aber wir können und sollen ihnen schmackhaft machen, sich zu beteiligen. Wir brauchen ihre Energien, ihre Kreativität und ihr kultureller Background bringt viel neues für uns, nicht nur was die Werte angeht, sondern auch die Ästhetik, die Kunst etc. Ich möchte dass die Migranten mitmischen bei der Gestaltung der Stadt, und zwar massiv! Wir müssen auf sie zugehen und ihnen schnell schmackhaft machen, sich an der Ingolstädter Politik zu beteiligen. Im Modul Ingolstadt-Expertise sollen sie sofort Kontakt zu den relevanten Instanzen der Stadt aufnehmen und gleich ihre Ideen einbringen. Am Anfang waren sie ein bisschen scheu, aber jetzt kennen sie sich immer besser aus in der Stadt und ihr Selbstbewusstein wächst! Das explorative Verhalten bringt Früchte, die soziale Anerkennung steigt dramatisch, die Selbstverwirklichung und der Sinn. Und wer profitiert am meisten? Ich natürlich!:-))

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